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Slumkidsprojekt

Blog Posted on Mar 02, 2017 15:45

In den Winterferien war ich vier Tage lang in Liuku, einer
Stadt im Nujiang Tal an der Grenze zu Myanmar. Dieses Tal ist benannt nach dem
Fluss Nujiang, was übersetzt „Wütender Fluss“ bedeutet. Seit Beginn des
Baumhaus-Projektes waren jährlich Freiwillige in Liuku, dieses Jahr zum ersten
Mal nicht. Die Stadt ist wunderschön und erstreckt sich über beide Ufer des
Flusses, welcher zu dieser Jahreszeit still und türkis ist, aber im Sommer
seinem Namen gerecht wird und durch das Tal wütet. Abgesehen von dem Nujiang
hat Liuku vieles anderes zu bieten, wie zum Beispiel heiße Quellen und eine
Pagode, von der aus man über die ganze Stadt schauen kann. Außerdem gehören
viele der Einwohner Liukus der Lisu Minderheit an, deren Schrift man über
vielen Geschäften in der Stadt sehen kann. Wenn man aber hinter die Kulissen
schaut, entdeckt man eine unangenehme Wahrheit.

Am Stadtrand leben Familien in selbstgebauten Hütten, deren
Geld nicht ausreicht, um ihre oft zahlreichen Kinder zur Schule zu schicken.
Die Kinder müssen ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien durch das
Sammeln von Müll bestreiten. Die Familien sind aus ihrer Heimatprovinz geflohen
und gehören der Lisu Minderheit an, weshalb sie kaum oder gar kein Chinesisch
sprechen und aus der Gesellschaft ausgegrenzt sind. Zudem haben viele der
Kinder kein Hukou, sind also nicht im Familienregister registriert und
existieren dadurch nicht legal. Der einzige Weg aus dem Slum ist Bildung,
welche die Familien aber nicht finanzieren können.

Deshalb haben Baumhaus-Freiwillige der 4. Generation
(2011/12) das Slumkidsprojekt ins Leben gerufen. Dies ist ein
Patenschaftsprogramm, das einigen der Kinder aus den Slums den Besuch einer
Grundschule ermöglicht. Bisher wurden so schon 57 Kinder eingeschult, der
älteste von ihnen besucht dieses Jahr die sechste Klasse. Die Freiwilligen
besuchen die Familien regelmäßig und erkundigen sich, ob es Fragen oder
Probleme gibt. Um den Kindern den Schulalltag zu erleichtern, wird jedes Jahr
im Sommer eine Summerschool von den Freiwilligen durchgeführt. Diese dauert
drei bis vier Wochen und gibt den Kindern die Möglichkeit, Stoff aus dem
vergangenen Schuljahr zu wiederholen und ihr Chinesisch zu verbessern, denn wie
bereits gesagt, sprechen sie kaum Chinesisch, sondern die Sprache der Lisu
Minderheit. Durch das Einbinden von chinesischen Freiwilligen können die Kinder
in kleinen Klassen unterrichtet werden, wodurch individuell auf ihre Probleme
eingegangen werden kann. Weiterhin üben die Freiwilligen mit den Kindern
einfache Hygienemaßnahmen wie Zähneputzen und Händewaschen, die im normalen
Alltag oft untergehen.


Obwohl dieses Jahr keine Freiwilligen mehr in Liuku
unterrichten, planen wir diesen Sommer wieder eine Summerschool. Darauf freue
ich mich schon sehr. Ich durfte die Kinder aber schon vorher kennenlernen, als
ich mit fünf meiner Mitfreiwilligen Anfang Februar nach Liuku gefahren bin. Wir
haben alle Slums besucht und uns nach dem Wohlergehen der Kinder und ihrer
Familien erkundigt, gefragt, wie die Schule läuft und ob sie Probleme haben.
Außerdem haben wir ihnen versichert, dass wir die Schulgebühren für das
kommende Halbjahr rechtzeitig bezahlen werden. Durch alle sechs Slums zu gehen,
hat zwei Tage gedauert. Sie liegen am Rand der Stadt, hinter Gebäuden versteckt
und nicht selten muss man erst einen Berg hinaufsteigen, bevor man sie
erreicht. Die Slums sind nicht groß, wie man sich das vielleicht vorstellt. Manchmal
sind mehrere Hütten auf einem Platz versammelt, manchmal ist es aber nur eine
einzelne. Die Hütten sind selbstgebaut aus Holz, Plastik, Blech und ähnlichem
Material. Teilweise haben die Familien Tiere, wie Hühner, Schweine oder Hunde. Von
innen sehen die Hütten auch nicht weniger improvisiert aus. Der Boden ist aus
Lehm oder Holzbrettern. Oft gibt es nur ein großes Bett, in dem bis zu sechs
Personen schlafen. Bei allen Familien wurden wir herzlich in Empfang genommen
und haben eine Tasse Tee oder Saft bekommen. Man hat gesehen, dass sie sich
sehr gefreut haben, dass wir da sind. Die Kinder sind alle sehr süß und nett,
manchmal etwas schüchtern und aufgeregt, uns zu sehen. Die meisten haben uns am
Ende noch hinausbegleitet oder uns zu der nächsten Familie gebracht. Die Familien
aus den verschiedenen Slums kennen sich untereinander, da sie sich jeden
Sonntag in der Kirche sehen – die Lisu sind nämlich Christen. Da die meisten
Eltern kaum Chinesisch sprechen, die Kinder ein bisschen mehr, da sie es in der
Schule lernen und unser Chinesisch auch noch nicht so ausgereift ist, war die Kommunikation
sehr schwierig. Trotzdem haben wir erfahren, dass die Kinder sich gut in der Schule schlagen und soweit keine Fragen oder Probleme
haben.


Dass diese Kinder durch das Slumkidsprojekt die Möglichkeit
haben, zur Schule zu gehen und damit die Aussicht auf eine bessere Zukunft für
sie und ihre Familien haben, ist wirklich großartig. Damit dies aber auch in
Zukunft möglich ist, brauchen die Kinder Paten in Deutschland, die ihre
Schulgebühren, Schuluniform, Essensgebühren und Unterrichtsutensilien
finanzieren. Dies ist mit einem Beitrag von 100 Euro im Jahr möglich.

Zurzeit sind noch 9 Kinder auf einen Paten angewiesen. Dies
kann entweder eine Privatperson oder eine Institution sein. Wenn du selbst an
einer Patenschaft interessiert bist, weitere Fragen hast oder jemanden kennst,
der gerne ein Kind unterstützen würde, schreib einfach eine Mail an slumkids@baumhaus-projekt.de oder
gib diese Adresse weiter. Ich möchte dir wirklich ans Herz legen, darüber
nachzudenken, denn dieses Projekt verändert Leben. Jeder Pate bekommt einmal im
Jahr nach der Summerschool einen Bericht über das Kind, das er unterstützt.
Außerdem werde ich selbst bei der Summerschool dabei sein und mit den Kindern
Zeit verbringen – und natürlich davon berichten.

Weitere Informationen zum Projekt findest du auf www.baumhaus-projekt.de.



Monatsbericht Januar

Monatsberichte Posted on Feb 04, 2017 14:33

Ich hatte im Januar nur eine
Woche Unterricht (und auch in dieser nur sehr wenig), da die Schüler ab dem 8.
Januar Examen geschrieben haben und danach waren Ferien.
In der Zeit vor dem
Frühlingsfest ist es hier üblich, dass jede Familie ein Schwein schlachtet und
viele Freunde und Bekannte zum Essen einlädt. Deshalb waren wir sehr oft
eingeladen, meistens von unserem Linkteacher, und sind in Dörfer in der
Umgebung gefahren, um dort sehr viel zu essen, nicht selten den ganzen Tag
lang. Das Essen, besonders das gegrillte Schweinefleisch, war so lecker, dass
ich oft viel zu viel gegessen habe. Als Ausgleich zu dem vielen Essen haben
Leoline und ich aber einmal eine Fahrradtour mit unseren neuen Fahrrädern
gemacht. Wir sind zu einem wunderschönen Dorf gefahren, in dem wir schon öfters
zum Essen waren, und haben unsere Stadt ein wenig erkundet. Die vielen Berge
hochzufahren war allerdings sehr anstrengend und manchmal mussten wir auch
schieben.

Da die Schüler keinen
Unterricht mehr hatten und alle zum chinesischen Neujahr nach Hause gefahren
sind, waren sowohl unsere Schule als auch die ganze Stadt recht leer. Ich
konnte aber endlich zwei meiner Freunde wiedertreffen, die in Pu’er zur Schule
gehen, aber in den Ferien nach Hause nach Yongping gefahren sind. Es war schön,
sich mal mit fast Gleichaltrigen unterhalten zu können und das über viele
interessante Themen, wie den Schulalltag in China oder auch Politik. Die Englischkenntnisse
unserer Schüler reichen dazu leider nicht aus.
Zum chinesischen Neujahr sind
wir mit unserem Linkteacher in sein Heimatdorf gefahren. Dieses liegt hoch in
den Bergen, wodurch es recht abgetrennt von der Stadt ist, aber man hat einen
wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Berge. Wenn man von den Geräuschen
der vielen Hühner, Schweine, Ziegen und anderen Tieren absieht, ist es dort
sehr ruhig. Das Einkommen der Leute basiert auf dem Anbau und Verkauf von Tee. Die
Familie unseres Linkteachers ist sehr groß, da er fünf Geschwister hat, welche
alle selbst auch Familie haben. Es war sehr schön, das Frühlingsfest mit ihnen
allen zu verbringen, auch wenn fast niemand Englisch sprechen konnte. Besonders
mit dem Sohn unseres Linkteachers und seiner Cousine habe ich mich gut
verstanden. Sie ist taubstumm, aber ich konnte mit ihr besser kommunizieren als
mit den anderen Anwesenden. Ich habe in dieser Woche viel über Kommunikation
nachgedacht und gelernt. Wir konnten beide nur schwer mit Anderen
kommunizieren, da keiner von uns Chinesisch sprechen konnte. Das hat uns
verbunden und sie hat mich oft am besten verstanden, weil sie wusste, wie man Zusammenhänge
verständlich und ohne Sprache erklärt. Aufgrund der Erfahrungen mit Kommunikationsproblemen,
die ich hier in China gemacht habe, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen.
Teile der Gebärdensprache habe ich nur durch Zusehen gelernt, später haben wir
uns zusammengesetzt und sie hat mir Gebärdensprache beigebracht. Ich habe in
ihr eine gute Freundin gefunden und hoffe, wir bleiben in Zukunft in Kontakt.

Leider habe ich von dem
Neujahr nicht so viel mitbekommen, da ich zwei Tage lang krank im Bett lag. Aber
am Neujahrsabend gab es überall Feuerwerk und man hat abwechselnd bei den
verschiedenen Familien oder Familienzweigen in diesem Dorf gegessen. Außerdem
waren wir am Fluss Fischen und haben den Fang dann zum Abendessen gegessen. Am
Montag nach dem Frühlingsfest sind wir auf einen Berg gefahren, auf dem ein
sehr großer Stein steht, und haben dort Räucherstäbchen angezündet und rings um
den Stein herum aufgestellt, wahlweise dazu gebetet. Außerdem haben wir einen hundert
Jahre alten Teebaum und eine Teefabrik angeguckt. Am letzten Abend, den wir in
dem Dorf verbracht haben, saß ich mit dem Sohn unseres Linkteachers und seiner
Cousine am Feuer und wir haben Baba gegessen. Dieses wird besonders zum chinesischen
Neujahr gegessen und schmeckt Stockbrot sehr ähnlich, ist aber aus Reis
gemacht.
Es war schön, am Neujahrsfest
teilzunehmen und die Traditionen dieses für Chinesen wichtigen Ereignisses
mitzuerleben.



Monatsbericht Dezember – Weihnachten in Yunnan

Monatsberichte Posted on Jan 09, 2017 08:04

Inzwischen habe ich schon ein Drittel des Freiwilligendienstes hinter mir. Der Dezember war ein Monat, in dem viel passiert ist. Das hatte allerdings auch zur Folge, dass er recht stressig war. Dazu kamen noch die Adventszeit, Weihnachten und Silvester, welche ich weit weg von Zuhause ohne meine Familie verbracht habe.
Anfang Dezember stand endlich das Datum für den Englischwettbewerb fest. Dieser sollte am Donnerstag und Freitag den 15. und 16. Dezember an der Yizhong in Jinggu stattfinden. Die ersten beiden Wochen verbrachten wir also damit, eineinhalb Stunden täglich mit den teilnehmenden Schülern unserer Schule die Rollenspiele einzuüben. Ich hatte viel Spaß daran, obwohl es manchmal etwas anstrengend war. Besonders die letzten Tage vor dem Wettbewerb waren sehr stressig, da wir uns auch noch die Reden der Lehrer angehört haben sowie eine Präsentation über uns selbst erstellen sollten. Und das zusätzlich zu unserem Unterricht. Am Donnerstag sind wir dann in zwei Bussen nach Jinggu gefahren. Dort angekommen gab es ein Meeting und wir haben den Ablauf des Abends besprochen sowie die Texte für die Moderation geübt. Um 19 Uhr begann der Wettbewerb, der unter dem Namen „Attentiveness+Blossoms Jinggu County Excellent English Talent Show“ lief. Schüler von 11 verschiedenen Schulen aus der Region Jinggu haben kleine Rollenspiele, wie beispielsweise Schneewittchen oder Cinderella, aufgeführt und die Jury hat ihre Leistungen bewertet. Zum Abschluss gab es noch eine Tanz- sowie Musikeinlage und dann war der erste Tag vorbei. Am zweiten Abend des Wettbewerbs hielten Englischlehrer von verschiedenen Schulen überzeugende Reden zu Themen wie Umweltschutz, der Wichtigkeit des Englischlernens oder Unterschieden zwischen Schulen in China und Großbritannien. Obwohl die Darstellungen interessant waren und ich Spaß an der Moderation hatte, war ich erleichtert, als der Wettbewerb und der damit verbundene Stress endlich vorbei waren. Die Mühe hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn es war ein voller Erfolg. Das Ziel dieses Wettbewerbs war in erster Linie, Schülern und Lehrern Englisch in einer anderen Weise näherzubringen und damit das Interesse für diese Weltsprache zu steigern. Dieses wurde meiner Meinung nach erfüllt.

Ich hatte diesen Monat noch weniger Unterricht als im November, da die Abschlussexamen immer näher rücken und die Lehrer ihre Stunden brauchen. Wenn ich nicht gerade mit Geschenke kaufen oder anderen Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt war, habe ich die freie Zeit genutzt, um mal etwas Sport zu treiben. Große Freude habe ich am Tischtennisspielen gefunden und selbst Basketball, was ich nie zu meinen Lieblingssportarten gezählt habe, macht mir inzwischen wirklich Spaß, auch wenn ich nur selten den Korb treffe.

Anfang Dezember dachte ich, dieses Weihnachten wird ganz anders als ich es gewohnt bin. Nicht nur, dass ich weit weg von zuhause und meiner Familie bin, es waren 25 Grad Celsius und Sonnenschein, die Bäume waren grün, im Supermarkt gab es nirgends Weihnachtssachen zu kaufen und nirgends hörte man Weihnachtslieder. Die Stimmung, die in Deutschland in der Vorweihnachtszeit herrscht, fehlte hier. Das war ziemlich merkwürdig, aber was hatte ich anderes erwartet?
Letztendlich war Weihnachten in China doch gar nicht so anders als in Deutschland. Weihnachtslieder hören kann man hier schließlich auch und einen Adventskalender hatten wir ebenfalls. Denn um etwas weihnachtliche Vorfreude in unser kleines Heim zu bringen, haben wir von der Jinggu Erzhong und die beiden von der Jinggu Yizhong uns gegenseitig einen Adventskalender gebastelt. Süßigkeiten, Schreibwaren und sogar einen Mini-Plastik-Tannenbaum im 24. Türchen haben wir improvisatorisch in bunte Plastiktüten und mit Kartoffeldruck selbstbedrucktes Papier eingepackt, da in unserer kleinen Stadt weit und breit kein Geschenkpapier zu finden ist. Da wir auch kein Geschenkband haben und um noch mehr Plastiktüten zu recyceln, denn davon haben wir wirklich mehr als genug, haben wir diese in Streifen geschnitten und so die einzelnen Päckchen zusammengebunden. Über diesen kreativen Kalender haben sich unsere Freunde sehr gefreut und mit dem Kalender, den wir bekommen haben, war der Advent fast wie zuhause.


Außerdem haben wir es geschafft, endlich mal die beiden Freiwilligen in Zhenyuan zu besuchen. Die sechs Stunden Hinfahrt über unbefestigte, gerade erst im Bau befindliche Straße waren zwar die Hölle, aber es hat sich gelohnt. Zu sechst haben wir ein wunderschönes Wochenende in unserer kleinen Nordengruppe verbracht. Und auch hier war die Weihnachtsstimmung nicht zu übersehen. Gemeinsames Orangenpflücken und den ganzen Tag lang Sterne basteln, während wir zu Weihnachtsliedern mitgesungen haben, war definitiv ein guter Ersatz für gemeinsames Backen, was aufgrund des fehlenden Ofens leider nicht möglich war. Ganz auf Plätzchen verzichten musste ich aber auch nicht, da mir meine Eltern ein Paket mit selbst gebackenen Plätzchen, Schokoladennikolaus und anderen Köstlichkeiten geschickt haben.

Dass das Wetter eher dem Hochsommer in Norddeutschland entsprach, war schön. Sonnenschein ist mir doch deutlich lieber als verregnete, kalte Weihnachten und weiße Weihnachten gab es zuhause schon lange nicht mehr.
Heiligabend haben wir in Pu’er gefeiert, da wir aufgrund unseres Visums dorthin mussten. Es war schön, alle anderen Freiwilligen wiederzusehen. Ein besinnliches Weihnachtsfest war aber mit 19 Leuten nicht zu erwarten. Deshalb sind wir am Freitag Nachmittag schon nach Jinggu gefahren und haben dort zu viert in Weihnachten reingefeiert. Eine Möglichkeit, die ich vorher nie in Betracht gezogen hatte. Abends haben wir eine kleine Weihnachtsaktion durchgeführt, bei der wir durch die Klassen gegangen sind, Weihnachtslieder gesungen haben und jedem Schüler, der sich getraut hat, mitzusingen, einen kleinen Papierstern gegeben haben, welche wir vorher fleißig gebastelt hatten. Die Aktion war unglaublich schön und obwohl wir eigentlich den Schülern etwas geben wollten, haben wir am Ende mehr von den Schülern bekommen, seien es Äpfel, Süßigkeiten oder ein spontanes Konzert nur für uns. Anschließend haben wir zusammen gekocht. Ich hätte nie gedacht, dass Hähnchen, Kartoffelbrei und Blumenkohl so ein wunderbares Weihnachtsessen sein können. Um 00:00 Uhr gab es dann Bescherung. Wir haben den Mini-Tannenbaum auf die Geschenke gestellt, sodass sie unter dem Baum lagen. Die Weihnachtsstimmung, die mir vorher so gefehlt hatte, war deutlicher denn je zu spüren, als ich dort mit meinen Freunden zusammensaß bei „Stille Nacht“ und Lebkuchen. Und mir ist klargeworden, dass an Weihnachten weder Ort noch Zeit eine Rolle spielen, sondern dass es das Gefühl ist, das Beisammensein mit Menschen, die man liebt, welches Weihnachten wirklich ausmacht. Ich war zwar weit weg von meiner Familie, aber Heimweh hatte ich trotzdem nicht. Denn ich habe hier so gute neue Freunde gefunden, dass ich sie schon zu meiner Familie zähle.


Nach all den Ereignissen war da auch noch Leolines Geburtstag. Diesen haben wir erst hier in Yongping gefeiert und dann nochmal in Jinggu, zusammen mit Silvester. Wir haben zwar viel zu viel Kuchen gegessen, aber die selbstgemachten gebrannten Mandeln waren ein Highlight des Dezembers. Silvester war eher unspektakulär, es gab ein kurzes Feuerwerk und dann war es auch schon vorbei. Umso mehr freue ich mich auf das chinesische Neujahr, welches Ende Januar stattfinden wird.



Alles rund ums Essen

Blog Posted on Dec 14, 2016 15:37

Essen spielt in China eine sehr große Rolle. So wird man immer wieder gefragt, ob man schon gegessen hat und wenn wir zur Essenszeit über die Schulhof laufen, rufen uns alle Schüler 吃饭 (chifan) zu, was „essen“ bedeutet und wörtlich übersetzt „Reis essen“ heißt. Das trifft es ziemlich gut, da man wirklich zu jeder Mahlzeit Reis isst. Natürlich nicht nur Reis, sondern dazu viel Gemüse und vor allem viel Fleisch. Zum Frühstück isst man Nudeln, aber selbst diese sind oft aus Reis gemacht. Bei uns gibt es zwei Sorten: 米线 (mixian) und 米干 (migan). Ich esse meistens 米线. Wir essen fast jeden Morgen in der gleichen Suppenküche direkt gegenüber von unserer Schule. Eine Suppe kostet 5元. Das ist weniger als ein Euro. Zu den Nudeln gibt es etwas Lauch und Fleisch und dann kann man sich seine Suppe je nach Belieben würzen mit jeder Menge Soßen, scharfen Gewürzen und eingelegtem Gemüse. Mittagessen gibt es schon um 11:40 Uhr in unserer Schulkantine, was meines Erachtens nach viel zu früh ist. Wir essen entweder in der Schulmensa, wo wir kostenlos Essen bekommen, oder kochen selbst, was den Vorteil hat, dass wir uns die Zeiten selbst aussuchen können, oder wir werden von den Lehrern zum Essen eingeladen. Abendessen gibt es in der Schule um 17:00 Uhr, was ebenfalls viel zu früh ist, aber man isst abends manchmal noch ein Barbecue, oder auf Chinesisch 烧烤 (shaokao), also wird man auf keinen Fall verhungern.
Wir werden sehr oft zum Essen eingeladen. Das ist oft sehr nett, manchmal aber recht unangenehm, wenn niemand anwesend ist, der Englisch spricht und dir die ganze Zeit Essen angedreht wird, was du eventuell gar nicht essen willst. Die Restaurants sind ganz anders als die in Deutschland. Man sitzt nicht in einem geschlossenen Raum, sondern es gibt meist viele Räume nebeneinander, die zu einer Seite hin offen sind. Oft sitzt man anfangs draußen und isst eine Vorspeise – Sonnenblumenkerne, gebratener Fisch oder anderes Fleisch.

Die Tische sind rund und sehr niedrig, die dazu gehörigen Hocker sind noch kleiner. Anfangs ist es sehr ungewohnt und ungemütlich auf solchen Hockern zu sitzen, aber man gewöhnt sich dran. Die Tische haben meist in der Mitte eine drehbare Platte, auf der die Speisen stehen, sodass man an alles herankommt, wenn man die Platte dreht. Jinggu County ist für seinen Mangosaft bekannt, weshalb wir diesen andauernd trinken und ich liebe ihn! Wo ich schon bei Getränken bin, darf natürlich der Tee nicht fehlen, denn kein Essen ohne Tee.

Wenn der Hauptgang dann endlich fertig ist (und man sich nicht schon an der Vorspeise satt gegessen hat… da muss man wirklich aufpassen) setzt man sich an einen anderen Tisch, wo viele Schüsseln mit verschiedenen Gerichten stehen. Und zwar wirklich viele – um die sechs bis sechzehn. Jeder hat eine Schüssel, die man erst aus dem Plastik auspacken muss, in dem sie nach dem Abwaschen immer wieder neu eingepackt werden, am besten, in dem man mit den Stäbchen (auch in Plastik eingepackt) ein Loch in die Verpackung sticht und die Schüssel so problemlos auspacken kann. Anschließend bekommt jeder Reis in seine Schüssel und dann kann man sich bedienen. Anfangs hat mich dieses Essen immer überfordert, da man nicht weiß, was das alles ist, was da auf dem Tisch steht, und man auch nicht weiß, wie man das dann essen kann. Mit Stäbchen essen war bei mir zum Glück kein Problem, da ich auch schon in Deutschland oft mit Stäbchen gegessen hab, aber so ein Stück Fleisch zu essen, an dem überall Knochen und Haut ist, das Fleisch aber kaum herauszupicken ist, ist wirklich eine Herausforderung. Hinzu kommen noch die freundlichen Gastgeber, die die immer wieder etwas in deine Schüssel füllen, du das aber eventuell gar nicht essen willst… Dass es aber wirklich kein Problem ist, etwas in der Schüssel übrig zu lassen, habe ich schnell gelernt.
Es gibt eine große Auswahl an Speisen, wobei einige Speisen bei fast jedem Essen zu finden sind. Abgesehen von Reis gibt es immer mindestens eine Sorte Fleisch, wobei ich von Klassikern wie Hühnerfleisch, Schweinefleisch und Rindfleisch über Ente, Gans, Esel und Ziege bis hin zu exotischeren Gerichten wie Ochsenfüßen und Bienenlarven schon viel gegessen habe. Oft gibt es eine große Schüssel mit Fleisch in einer Suppe in der Mitte des Tisches und noch weitere Fleischsorten auf kleineren Tellern drumherum. Auch die Art der Zubereitung des Fleisches variiert, so gibt es gekochtes Fleisch, gebratenes Fleisch, Trockenfleisch […]. Das Fleisch ist hier oft gar nicht so leicht zu essen, da das Huhn/Rind/Schwein oder was auch immer einfach komplett kleingehackt wird, sodass die Knochen und alles noch drin sind… Das Fleisch schmeckt oft noch so gut, aber es ist einfach unmöglich, es zu essen. Generell ist Fleisch ein interessantes Thema in China. Die Chinesen essen wirklich alles vom Tier – seien es Füße, Innereien, Augen oder einfach nur pures Fett… Sehr gewöhnungsbedürftig für uns Europäer, aber die Chinesen lieben es. Abgesehen davon, dass sie alles vom Tier essen, essen sie auch sehr viele verschiedene Tiere. So haben wir schon oft Bienen, Bienenlarven und Würmer, die in Bambus leben, serviert bekommen. Anfangs hatte ich wirklich großen Respekt vor diesen, vor allem, da uns immer wieder gesagt wurde, dass manche Leute allergisch dagegen sind, aber inzwischen esse ich besonders die Würmer sehr gerne. Sie sind gebraten wirklich knusprig, eigentlich wie Chips. Wir haben sogar schon von unserem Vize-Schulleiter noch lebende Bambus-Würmer geschenkt bekommen und diese dann zuhause gebraten – zu Halloween. Das war eine der lustigsten Aktionen, die ich hier bisher erlebt habe. Wir haben Öl in einer Pfanne erhitzt und dann die lebenden Würmer in die Pfanne geworfen. Sie wurden plötzlich ganz lang und es hat laut gebrutzelt, dann waren sie eigentlich auch schon fertig. Wie eine Lehrerin so passend beschrieb: Erst sind sie weiß, und wenn sie gelb sind, sind sie fertig. Das eklige an der ganzen Aktion war, dass die Würmer ziemlich durch die Gegend gespritzt sind, wenn man sie in die Pfanne gegeben hat. Unsere Taktik sah also so aus, dass ich ein paar Würmer in die Pfanne werfe und wir dann schnell aus der Küche rennen und die Tür schließen. Wir mussten zwar im Nachhinein unsere komplette Küche putzen, da überall Wurminnereien und Fettspritzer waren, aber die Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt und die Würmer waren mit etwas Salz sehr lecker. Und wo ich gerade beim Thema Halloween bin: In China wird zwar kein Halloween gefeiert, aber davon gehört haben doch viele schon. So haben mir zwei meiner Schülerinnen nach dem Unterricht Lollis zu Halloween geschenkt und meine Senior Klasse ist abends am Ende der Stunde gemeinsam aufgestanden und hat im Chor „Happy Halloween to you!“ gerufen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe.


So, nach diesem kleinen Exkurs geht es weiter im Thema. Eine weitere Speise, die bei fast jedem Essen zu finden ist, ist eine Suppe mit einer Art Salat, welche sehr lecker ist und vor allem überhaupt nicht scharf ist, weshalb sie einen guten Ausgleich zu dem sonst sehr scharfen Essen bildet. Außerdem gibt es häufig gekochten Salat (sehr lecker, warum kochen wir Salat in Deutschland eigentlich nicht??), gekochte Gurken in einer super leckeren Soße, Tomate mit Ei (sehr lecker und sehr einfach zu kochen, kochen wir auch oft selbst), Kartoffeln in verschiedenen Formen (gekocht oder als eine Art Kartoffelpuffer), Bambussprossen, Pilze, Brokkoli, Bohnen, Erdnüsse, Möhren, Minze und vieles mehr. Tofu gibt es auch in vielen Formen, aber bei uns tatsächlich recht selten. Ansonsten gibt es natürlich eine ganze Menge scharfe Gerichte, sei es das Fleisch oder das Gemüse, und wenn die Gerichte an sich nicht scharf genug sind, kann man sicher sicher sein, dass es noch eine scharfe Soße extra gibt, in die man sein Fleisch tunken kann. Mit vielen der schärferen Gerichte komme ich klar, wenn auch manchmal unter Tränen und laufender Nase, aber es gibt Schärfen, die kann ich nicht essen, ohne das Gefühl zu haben, keine Luft mehr zu bekommen. Da viele der Lehrer zumindest aber wissen, dass wir in Deutschland nicht so scharf essen, werden oft für uns weniger scharfe Gerichte bestellt.
Apropos scharf: Wir wurden schon des Öfteren zum Hotpot essen eingeladen. Hier gibt es eine große Schüssel mit Suppe in der Mitte, die von unten erhitzt wird. Dann werden nach und nach alle möglichen Zutaten hinzugegeben und sobald sie fertig gekocht sind, kann man sie in seine Schüssel füllen und essen. Es erinnert mich ein wenig an Fondue, nur dass man keine Spieße hat. Ich esse Hotpot sehr gerne, nur ist es meistens so scharf, dass ich nicht besonders viel essen kann oder Unmengen an Kokosnusssaft dazu trinken muss.

Weitere Speisen sind Jiaozi 饺子, was mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen sind. Wir haben diese auch schon selbst gekocht, was eine sehr schöne Erfahrung war.

Im Gegensatz zu Jiaozi, welche gekocht werden, werden die sehr ähnlich klingenden Baozi 包子 gedämpft und bestehen aus einem dickeren Teig. Es gibt sie mit vielen verschiedenen Füllungen, wie Fleisch, Gemüse und Nudeln, aber auch süßen Füllungen wie Zucker, roter Bohnenpaste etc.

Interessante Snacks in China sind Tomaten und Gurken mit Zucker (ich weiß wirklich nicht, warum sie alles scharf essen, aber das plötzlich süß) und eine unglaublich bittere Frucht, die man in ein scharfes Pulver dippt (sorgt definitiv für eine lustige Grimasse, aber wie kommt man darauf??). Die Süßigkeiten schmecken meist sehr künstlich und überall gibt es eine Art Wackelpudding zu kaufen, teilweise mit irgendwelchen Stückchen drin, der mir anfangs sehr unsympathisch war, aber man kann ihn tatsächlich essen.

Das war auch schon alles, was ich zum Essen hier in China zu sagen habe. Ich hoffe, der Text kann dir eine ungefähre Vorstellung davon geben, was ich hier so esse und wie ich so darüber denke.



Monatsbericht November

Monatsberichte Posted on Dec 14, 2016 15:01

Und schon wieder ist ein Monat um. Dass es jetzt Dezember wird, merkt man vor allem an dem kalten Wetter. Dieses hat mir leider eine fiese Erkältung eingebracht, die mich eine Woche lang ans Bett gefesselt hat.

Ansonsten läuft alles ganz gut. Der Unterricht funktioniert gut und in vielen Klassen habe ich viel Spaß am Unterrichten. Von meinen anfangs 21 Stunden pro Woche habe ich jetzt aber nur noch 12, da viele Lehrer mich gefragt haben, ob sie die Klassen anstelle von mir unterrichten können, weil sie sonst ihren Stoff nicht bis zu den Examen schaffen. Dadurch habe ich jetzt zwar mehr Freizeit, allerdings fallen auch einige meiner Lieblingsklassen weg…

Ein wirklich großartiger Erfolg hat sich in einer meiner 7. Klassen ereignet. In dieser Klasse ist eine Schülerin, die taubstumm ist. Als ich das anfangs herausgefunden habe, wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Sie konnte schließlich so gut wie gar nicht an meinem Unterricht teilnehmen, insbesondere, da es im spoken english Unterricht ja in erster Linie ums Sprechen und Hören geht. Als ich den Lehrer zu ihr befragt habe, meinte er nur, sie könne nicht mitmachen. Ich habe trotzdem einen Arbeitsbogen für sie angefertigt und ihr diesen in der Stunde gegeben. Der Lehrer erklärte mir aber, sie könne ihn nicht ausfüllen, da sie das Englischbuch abschreiben muss… In der nächsten Stunde hat sie ihn mir aber ausgefüllt wiedergegeben, der Lehrer hatte ihr geholfen. Also hab ich es nochmal versucht – mit Erfolg. Vor zwei Wochen hat sie mir stolz den komplett allein ausgefüllten Arbeitsbogen wiedergegeben, den ich ihr am Ende der letzten Stunde gegeben hatte – und einen neuen Arbeitsbogen in der gleichen Stunde bearbeitet. Ich werde das jetzt erstmal so weiter versuchen und dann mal schauen, ob mir nicht noch eine andere Möglichkeit einfällt, wie sie sich am Unterricht beteiligen kann.

Ein Projekt, an dem wir zurzeit arbeiten, ist ein Englischwettbewerb zwischen mehreren Schulen, der irgendwann im Dezember an der YiZhong in Jinggu stattfinden wird. Eine wirklich großartige Idee, vor allem, da wir mit Elena und Franzi in Jinggu zusammen an der Organisation und Durchführung dieses Ereignisses beteiligt sind. Leoline und Elena werden in der Jury sitzen und Franzi und ich werden die Moderation übernehmen. Wie genau dieser Wettbewerb aussehen wird, habe ich noch nicht verstanden. Die Durchführung scheint doch oft recht chaotisch. So sind wir zum Beispiel nur zufällig vorbeigelaufen, als gerade vier Gruppen von Achtklässlern einstudierte Sketche vorgeführt haben und plötzlich sollten wir entscheiden, welche Schüler bei dem Wettbewerb antreten. Inzwischen üben wir mit diesen Schülern täglich, aber ständige Änderungen, was die Texte und die teilnehmenden Schüler angeht, erschweren die Arbeit etwas. Trotzdem macht es Spaß und ich freue mich schon sehr auf den Wettbewerb.
Zwischendurch hatten wir vier Tage lang schulfrei, da die Schüler Klausuren geschrieben haben. Ich hatte trotzdem so viel zu tun, dass ich gar nicht wüsste, wie ich das alles hätte schaffen sollen, wenn wir Unterricht gehabt hätten. Wir haben die freie Zeit auch genutzt, um Yongping mal etwas zu erkunden und sind dabei in einer Moschee gelandet, in der wir erstmal zum Tee eingeladen wurden. Anschließend haben uns drei Kinder durch die Felder wieder zurück zur Schule gebracht. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

Mit James, unserem Linkteacher, verstehen wir uns immer noch sehr gut und auch mit den anderen Lehrern kommen wir gut klar, wobei wir leider selten etwas mit ihnen unternehmen. Wirklich Freunde gefunden haben wir aber noch nicht. Ich habe das Gefühl, dass das hier gar nicht so einfach ist, denn Leute in unserem Alter gibt es so gut wie keine. Wenn die Leute mit der Schule fertig sind, gehen sie in größere Städte, um zu studieren oder Geld zu verdienen, also gibt es hier nur Kinder und ältere Leute. Und die Schüler haben so viel Unterricht, dass es schwierig ist, etwas mit ihnen zu unternehmen. Wenn wir dann mal jemanden treffen, mit dem wir uns gut verstehen, stellt sich meistens heraus, dass diese Person in Pu’er an die YiZhong geht. Ich hoffe aber, dass wir in Zukunft noch Freunde finden.



Monatsbericht Oktober

Monatsberichte Posted on Nov 06, 2016 10:29

Nun bin ich schon zwei Monate in China. Mir geht es sehr gut und ich habe mich inzwischen an das meiste ganz gut gewöhnt.

Im Unterricht komme ich ganz gut klar. In der Junior Grade 1 wusste ich anfangs nicht, wie ich den Unterricht gestalten kann, da die Schüler gerade erst anfangen, Englisch zu lernen, aber inzwischen funktioniert der Unterricht in den meisten Klassen sehr gut. Es ist immer schön, wenn ich beobachten kann, wie die Schüler von Woche zu Woche Fortschritte machen. Der Unterricht in der Senior Grade 2 ist hingegen recht anders. Die Schüler haben meist sehr schlechte Englischkenntnisse und viele Schüler haben keine große Lust auf Englischunterricht. Die Schüler in den ersten Reihen sprechen allerdings oft besser Englisch und so diskutiere ich viel mit ihnen und sie feuern ihre Mitschüler an, an die Tafel zu kommen. Da ich diese Klassen nur abends habe und die Schüler da meist nicht mehr so konzentriert sind, gehe ich diesen Unterricht locker an, spiele viele Spiele und so herrscht meist eine entspannte und lustige Atmosphäre. Manchmal weiß ich nicht, wie ich den Unterricht für die Schüler spannender gestalten kann, aber ich probiere derzeit verschiedene Spiele mit den Schülern aus. Viele meiner Klassen sind motiviert und arbeiten gut mit, aber andere Klassen sind die ganze Zeit laut, machen Unsinn und weigern sich, mitzumachen. Wie ich mit diesen Klassen am besten umgehe, habe ich noch nicht herausgefunden. Die 18 Stunden pro Woche sind von der Menge her okay, aber die Zeiten sind manchmal anstrengend, da ich immer früh morgens und spät abends Unterricht habe. Der Abendunterricht geht bis 21:40 Uhr und die Schüler sind so spät meist unkonzentriert und unruhig. Außerdem kann ich abends keine Aktivitäten machen, zum Beispiel mit den Lehrern Volleyball spielen oder tanzen gehen. Das ist sehr schade.
Unsere „Ausgangssperre“ hat sich inzwischen schon sehr gelockert. Wir konnten aushandeln, dass wir alleine rausgehen dürfen, wenn wir unseren Linkteacher vorher fragen, aber er sagt immer ja. So durfte ich letztens sogar alleine das Schulgelände verlassen. Abends sind wir dieses Wochenende sogar auch schon alleine rausgegangen und Tanzen gegangen. Wir verbringen trotzdem nicht so viel Zeit draußen, was vor allem damit zu tun hat, dass Yongping sehr klein ist und es außer Geschäften nicht viel gibt. Wir haben aber vor, in nächster Zeit die Stadt etwas genauer zu erkunden.
Ansonsten habe ich inzwischen oft sehr viel zu tun und schaffe gar nicht alles, was ich mir vornehme. Wir verbringen aber immer noch viel Zeit in der Wohnung, wobei ich in letzter Zeit manchmal abends nach dem Unterricht noch Joggen gehe oder Nachmittags mit einigen Schülern Tischtennis spiele. Ich arbeite daran, mehr Zeit mit den Leuten hier zu verbringen. Ich spiele oft Klavier und habe letztens dabei einen Schüler getroffen, der auch ein bisschen Klavier spielen kann. Vielleicht kann ich ja Klavierunterricht geben.
Mein Chinesisch wird derweil immer besser. Ich lerne täglich ein bisschen und habe kein Problem mehr damit, einkaufen zu gehen und Bus zu fahren und auch einfache (sehr einfache) Gespräche mit Chinesen funktionieren immer besser. Dadurch, dass bei uns nur sehr wenige Leute Englisch sprechen und selbst die Englischlehrer meist nur schlecht, müssen wir oft auf Chinesisch kommunizieren und haben dadurch gute Vorraussetzungen, um gut Chinesisch zu lernen, nur der örtliche Dialekt erschwert es ein wenig.

Mit Leoline verstehe ich mich immer noch sehr gut. Wir verbringen viel Zeit zusammen und haben viele gleiche Interessen und Ansichten. Wir haben zwar noch kein Projekt, aber wir sammeln fleißig Ideen und ich glaube, wir werden sehr gut ein gemeinsames Projekt durchführen können.
Leoline und ich auf einem Ausflug in die Berge



Die Reise ins Reich der Mitte

Blog Posted on Oct 21, 2016 14:40

Mein Abenteuer begann am 1. September, als ich mich morgens um 9 Uhr von meiner Familie am Bahnhof in Kiel verabschiedete und in den Zug nach Frankfurt stieg. In Frankfurt am Flughafen angekommen, habe ich dann alle meine 20 Mitfreiwilligen sowie unsere Projektleiter getroffen. Es gab noch ein paar gute Worte für das uns bevorstehende Jahr von Seiten unserer Projektleiter und dann waren wir auch schon bereit für den ersten Flug nach Paris. Aufgrund technischer Probleme verzögerte sich unser Abflug allerdings noch um ca. 2 Stunden, was zufolge hatte, dass unser Anschlussflug schon abgeflogen war, als wir endlich in Paris ankamen. Wir wurden in eine andere Halle geführt, wo wir Frisbey-spielend auf die nächsten Schritte gewartet haben. Schließlich wurden wir dann ins Hotel gefahren und nach einer recht kurzen Nacht, aber einem ausgiebigen französischen Frühstück, stiegen wir endlich in den Flieger nach Peking. Der Flug dauerte 10 Stunden, welche ich mit Filme gucken, Musik hören und Gesprächen mit dem Steward auf französisch verbracht habe, aber kein Auge zubekommen habe. Um 6:20 Uhr Ortszeit sind wir schließlich in Beijing gelandet (inzwischen war schon der 3. September) und mussten dann noch sechs lange Stunden am Flughafen warten, bis wir weiter nach Kunming, der Hauptstadt von Yunnan, fliegen konnten. Diese Zeit habe ich hauptsächlich mit schlafen auf dem sehr unbequemen Boden des Flughafens verbracht.

Der Flug nach Kunming war aufgrund vieler Turbulenzen ebenfalls sehr unbequem und ich war froh, als wir nach drei Stunden ankamen und nur noch einen letzten Flug vor uns hatten. Der Flug nach Pu’er hatte allerdings auch Verspätung, da wir aufgrund eines Unwetters nicht starten konnten, und so kamen wir schließlich völlig fertig abends gegen 19 Uhr in Pu’er an, wo wir von ein paar Freiwilligen der letzten Generation sowie unseren Linkteachern und Schulleitern oder Vize-Schulleitern in Empfang genommen wurden. Anstatt aber sofort ins Bett zu fallen, gab es erst noch ein Essen auf chinesische Art, was mich sehr überforderte. Wir saßen in einem kleinen Restaurant (es sah eher aus wie eine Garage) an einem runden Tisch mit einer drehbaren Platte in der Mitte auf kleinen Hockern. Jeder hatte eine Schüssel mit Reis und in der Mitte standen viele Schüsseln mit verschiedenen Gerichten, von denen sich jeder das, was er wollte, in seine eigene Schüssel füllen konnte. Andauernd wurde mir von den Chinesen Essen in meine Schüssel gefüllt und nein zu sagen, wäre unhöflich gewesen. Inzwischen weiß ich, dass es in China höflich ist, den Gästen Essen in die Schüssel zu füllen, es aber vollkommen okay ist, wenn man Essen in der Schüssel übrig lässt. Noch eine Sache, die ich damals sehr ungewohnt fand und teilweise immer noch komisch finde: Müll und Essensreste, wie z.B. Knochen, werden einfach auf den Boden geschmissen. Ich wusste nicht genau, was ich da aß, so gut wie alles war mir vollkommen fremd und manches sehr scharf. Aber ich hatte sowieso nicht so viel Hunger, sondern wollte einfach nur ins Bett. Daraus wurde aber erstmal noch nichts, denn wir hatten erst noch ein Meeting im Hotel, bei dem viele wichtige Leute viele wichtige Dinge sagten (auf Chinesisch, aber ein Übersetzer hat auf Englisch übersetzt) und wir Freiwilligen alle einzeln vorgestellt wurden. Wir mussten noch einen Vertrag unterschreiben, aber dann konnten wir endlich im Hotel schlafen.
Am nächsten Morgen haben unser Linkteacher und unser Vize-Schulleiter Leoline (meine Mitfreiwillige) und mich abgeholt und wir sind nach Yongping gefahren. Ich war so gespannt auf die Stadt und die Schule, in der wir ein Jahr lang leben und arbeiten würden. Die Aussicht während der Fahrt war atemberaubend schön. Hier gibt es so viele Berge, alle grün bewachsen mit vielen verschiedenen Bäumen und anderen Pflanzen. Das bin ich als Kind aus dem Norden ja gar nicht gewohnt. Angekommen an unserer Schule tranken wir noch einen Becher Tee mit dem Schulleiter, bevor wir endlich in unsere Wohnung geführt wurden. Auf dem Weg sind wir einigen Schülern begegnet und sie haben uns angeguckt, als seien wir Aliens. Was wir genau genommen auch sind (Englisch: alien = Ausländer). Die Leute hier haben noch nie zuvor Ausländer gesehen, weshalb wir eine große Attraktion sind. Das kann sich entweder so äußern, dass die Leute uns hinterherrufen und Fotos von uns machen oder aber, dass sie vor uns weglaufen… Diese Reaktionen sind sehr gewöhnungsbedürftig, aber das ist so manch anderes hier ja auch.

Ich habe mich hier inzwischen schon sehr gut eingelebt und bin sehr froh, mich für Baumhaus in China entschieden zu haben.

Es tut mir leid, dass ich erst jetzt berichte, aber ich hatte vorher einfach noch keine Gelegenheit dazu. Ich werde mir Mühe geben, in Zukunft öfter mal über meine Erlebnisse zu berichten. An dieser Stelle möchte ich noch kurz Werbung für meine Galerie machen. In dieser ist schon deutlich mehr passiert, als hier auf meinem Blog. Wenn du meine Galerie anschauen willst, schreib mir einfach eine Mail an info@kungfufranka.de und ich werde dich dann hinzufügen.

Soweit erstmal für heute,

viele Grüße aus dem hochsommerlichen Yongping



Monatsbericht September

Monatsberichte Posted on Oct 21, 2016 14:07

Ich bin jetzt schon einen Monat hier an der Er Zhong in Yongping, Jinggu, Pu’er, Yunnan, China. Die Zeit verging so schnell und ich habe so viele neue und schöne Erfahrungen gesammelt.


Leoline und ich leben zu zweit in einer Wohnung auf dem Schulgelände. Das Gebäude ist sehr neu, wie viele der anderen Gebäude auf dem Schulgelände auch. Der Grund dafür ist, dass es hier vor zwei Jahren ein großes Erdbeben gab und das Schulgebäude fast komplett zerstört wurde. Es wird immer noch viel gebaut auf unserem Schulgelände. Unsere Wohnung liegt im 5. Stock. Dadurch haben wir zwar viele Treppen, aber auch eine wunderschöne Aussicht auf die Berge, die die kleine Stadt Yongping umgeben. Wir haben zwei getrennte Schlafzimmer, eine Küche, in der wir oft selbst kochen, ein Badezimmer und ein großes Zimmer, das als Eingangsbereich, Esszimmer und Wohnzimmer dient. Unsere Wohnung ist noch sehr leer, da wir als Möbel nur ein paar Schulbänke haben, aber wir wollen diese im Laufe der Zeit noch einrichten. Trotzdem mag ich unsere Wohnung und ich fühle mich hier sehr wohl.

Wenn wir nicht in unserer Küche kochen, essen wir oft in der Schulmensa oder werden von Lehrern zum Essen eingeladen. Frühstücken tun wir in einer der vielen Suppenküchen direkt gegenüber von unserer Schule.

Mit Leoline verstehe ich mich sehr gut und wir haben lustigerweise viele gleiche Interessen. Unser Linkteacher heißt James und wir verstehen uns sehr gut mit ihm. Er spricht gut Englisch und ist einfach immer locker, lustig und gut drauf. Der Vize-Schulleiter heißt Mr. Tao. Er gibt sich große Mühe, Englisch zu lernen und ist eigentlich sehr nett. Er ist aber sehr besorgt um uns und will nicht, dass wir das Schulgelände alleine verlassen. Deshalb muss immer ein Lehrer mitkommen, wenn wir rauswollen. Inzwischen hat sich die Situation aber schon ein bisschen aufgelockert, sodass wir alleine zum Supermarkt gehen können.

Trotzdem verbringen wir viel Zeit in unserer Wohnung. Ich würde gerne Zeit mit den Lehrern oder den Schülern verbringen, aber die Schüler haben meist den ganzen Tag Unterricht und die Englischkenntnisse der Lehrer, selbst der Englischlehrer, reichen meist nicht aus, um ein wirkliches Gespräch zu führen, sodass es schwierig ist, etwas mit ihnen zu unternehmen.
In meiner Freizeit lerne ich oft Chinesisch, mache Sport mit Leoline oder mit den Lehrern oder spiele Klavier. Unsere Schule hat zwei Klaviere, die seit vielen Jahren nicht mehr benutzt wurden, und ich habe inzwischen sogar einen eigenen Schlüssel für den Musikraum, in dem die Klaviere stehen.

In den ersten beiden Wochen wurden wir von verschiedenen Englischlehrern mit in den Unterricht genommen und haben dort Englischunterricht gegeben. Außerdem haben wir eine Gruppe von sieben Schülern auf ein bevorstehendes Englischexamen vorbereitet. Ab der dritten Woche haben wir dann nach einem festen Stundenplan unterrichtet. Ich hatte anfangs 21 Stunden pro Woche. Inzwischen wurden aber drei Stunden gestrichen, sodass ich jetzt 18 Stunden pro Woche habe. Ich unterrichte vor allem Junior Grade 1, also 7. Klasse (14 Stunden pro Woche) und 4 Stunden pro Woche Senior Grade 2 (11. Klasse). Das Englischniveau der Schüler ist sehr mangelhaft, was den Unterricht erschwert. Besonders der Unterricht in Junior Grade 1 ist nicht einfach, da diese gerade erst das Alphabet hatten. Manchmal ist ein Englischlehrer anwesend, der übersetzen kann, aber häufig erkläre ich mit Händen und Füßen oder mit meinen paar Wörtern Chinesisch.


Am Wochenende nimmt uns James oft zu sehenswerten Orten in der Umgebung mit und so sehen wir viel von der schönen Landschaft und auch von den Dörfern der hier lebenden Dai-Minderheit.



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