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Warum?

Blog Posted on Jun 13, 2017 12:31

Die Frage
nach dem „Warum?“ ist ein ständiger Begleiter des Freiwilligendienstes. Vor dem
Freiwilligendienst habe ich mir viele Fragen gestellt. Die wichtigste: Warum
will ich einen Freiwilligendienst machen? Dafür hatte ich viele Gründe. Einer davon
ist, dass ich eine mir fremde Kultur kennen- und verstehen lernen wollte. Wie wichtig
das ist, habe ich aber erst während meines Freiwilligendienstes herausgefunden.

Noch nie war
es so wichtig für uns, andere Kulturen kennen- und verstehen zu lernen, wie in der
heutigen globalisierten Welt, in der wir Tag für Tag mit Menschen aus anderen
Kulturen zu tun haben. Für eine gute Zusammenarbeit ist es wichtig, sich
aufeinander verlassen zu können und wie können wir das, wenn wir nicht
verstehen, wie unser Gegenüber denkt und handelt. Denn dass es einen großen kulturellen
Einfluss auf das Denken und Handeln gibt, merke ich hier in China täglich. Ständig
bin ich in einer Situation, in der ich verständnislos dastehe und mich frage:
„Warum handelt mein Gegenüber gerade so, wie er es tut?“ Doch diese Situationen
werden seltener, je mehr ich mich mit der Denkweise der Chinesen
auseinandersetze und diese hinterfrage. Warum bietet mir der Lehrer bei über 30
Grad Celsius einen Becher mit heißem Wasser an? Das Trinken von heißem Wasser
ergibt Sinn, wenn man bedenkt, dass in Ländern, in denen das Leitungswasser
kein Trinkwasser ist, dieses erst abgekocht werden muss. Und dann trinkt man
doch einfach das heiße Wasser anstatt zu warten, bis es abgekühlt ist. Eine
andere Frage, die sich bestimmt jeder stellt, der in China an einer Schule
unterrichtet: „Warum haben die Schüler in China bis spät abends Unterricht,
obwohl sie doch auch nur 10 Stunden am Tag haben?“ Wenn man sich einen
chinesischen Stundenplan anschaut, fällt auf, dass es viel längere Pausen gibt,
besonders für Mittag- und Abendessen. Denn mittags ist eine Pause für
Mittagsschlaf eingeplant. Dieser spielt im Tagesablauf eine wichtige Rolle und
dient der Entschleunigung des Alltags – ähnlich dem freien Sonntag in
Deutschland.

Handlungen,
Denk- und Sichtweisen zu hinterfragen, ist eines der wichtigsten Dinge, die ich
hier in China gelernt habe – sowohl die der Menschen um mich herum, als auch
meine eigenen. Nicht alle Sichtweisen sind richtig, aber wenn ich verstehe, was
die Gründe sind, kann ich diese gegeneinander abwägen und mir eine fundierte
Meinung bilden. Denn eine Meinung, die auf Vorurteilen beruht, wird nicht zur Lösung
von Konflikten beitragen, sondern diese nur verstärken.

„Die gefährlichste aller
Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht
angeschaut haben.“ – Alexander von Humboldt



Slumkidsprojekt

Blog Posted on Mar 02, 2017 15:45

In den Winterferien war ich vier Tage lang in Liuku, einer
Stadt im Nujiang Tal an der Grenze zu Myanmar. Dieses Tal ist benannt nach dem
Fluss Nujiang, was übersetzt „Wütender Fluss“ bedeutet. Seit Beginn des
Baumhaus-Projektes waren jährlich Freiwillige in Liuku, dieses Jahr zum ersten
Mal nicht. Die Stadt ist wunderschön und erstreckt sich über beide Ufer des
Flusses, welcher zu dieser Jahreszeit still und türkis ist, aber im Sommer
seinem Namen gerecht wird und durch das Tal wütet. Abgesehen von dem Nujiang
hat Liuku vieles anderes zu bieten, wie zum Beispiel heiße Quellen und eine
Pagode, von der aus man über die ganze Stadt schauen kann. Außerdem gehören
viele der Einwohner Liukus der Lisu Minderheit an, deren Schrift man über
vielen Geschäften in der Stadt sehen kann. Wenn man aber hinter die Kulissen
schaut, entdeckt man eine unangenehme Wahrheit.

Am Stadtrand leben Familien in selbstgebauten Hütten, deren
Geld nicht ausreicht, um ihre oft zahlreichen Kinder zur Schule zu schicken.
Die Kinder müssen ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien durch das
Sammeln von Müll bestreiten. Die Familien sind aus ihrer Heimatprovinz geflohen
und gehören der Lisu Minderheit an, weshalb sie kaum oder gar kein Chinesisch
sprechen und aus der Gesellschaft ausgegrenzt sind. Zudem haben viele der
Kinder kein Hukou, sind also nicht im Familienregister registriert und
existieren dadurch nicht legal. Der einzige Weg aus dem Slum ist Bildung,
welche die Familien aber nicht finanzieren können.

Deshalb haben Baumhaus-Freiwillige der 4. Generation
(2011/12) das Slumkidsprojekt ins Leben gerufen. Dies ist ein
Patenschaftsprogramm, das einigen der Kinder aus den Slums den Besuch einer
Grundschule ermöglicht. Bisher wurden so schon 57 Kinder eingeschult, der
älteste von ihnen besucht dieses Jahr die sechste Klasse. Die Freiwilligen
besuchen die Familien regelmäßig und erkundigen sich, ob es Fragen oder
Probleme gibt. Um den Kindern den Schulalltag zu erleichtern, wird jedes Jahr
im Sommer eine Summerschool von den Freiwilligen durchgeführt. Diese dauert
drei bis vier Wochen und gibt den Kindern die Möglichkeit, Stoff aus dem
vergangenen Schuljahr zu wiederholen und ihr Chinesisch zu verbessern, denn wie
bereits gesagt, sprechen sie kaum Chinesisch, sondern die Sprache der Lisu
Minderheit. Durch das Einbinden von chinesischen Freiwilligen können die Kinder
in kleinen Klassen unterrichtet werden, wodurch individuell auf ihre Probleme
eingegangen werden kann. Weiterhin üben die Freiwilligen mit den Kindern
einfache Hygienemaßnahmen wie Zähneputzen und Händewaschen, die im normalen
Alltag oft untergehen.


Obwohl dieses Jahr keine Freiwilligen mehr in Liuku
unterrichten, planen wir diesen Sommer wieder eine Summerschool. Darauf freue
ich mich schon sehr. Ich durfte die Kinder aber schon vorher kennenlernen, als
ich mit fünf meiner Mitfreiwilligen Anfang Februar nach Liuku gefahren bin. Wir
haben alle Slums besucht und uns nach dem Wohlergehen der Kinder und ihrer
Familien erkundigt, gefragt, wie die Schule läuft und ob sie Probleme haben.
Außerdem haben wir ihnen versichert, dass wir die Schulgebühren für das
kommende Halbjahr rechtzeitig bezahlen werden. Durch alle sechs Slums zu gehen,
hat zwei Tage gedauert. Sie liegen am Rand der Stadt, hinter Gebäuden versteckt
und nicht selten muss man erst einen Berg hinaufsteigen, bevor man sie
erreicht. Die Slums sind nicht groß, wie man sich das vielleicht vorstellt. Manchmal
sind mehrere Hütten auf einem Platz versammelt, manchmal ist es aber nur eine
einzelne. Die Hütten sind selbstgebaut aus Holz, Plastik, Blech und ähnlichem
Material. Teilweise haben die Familien Tiere, wie Hühner, Schweine oder Hunde. Von
innen sehen die Hütten auch nicht weniger improvisiert aus. Der Boden ist aus
Lehm oder Holzbrettern. Oft gibt es nur ein großes Bett, in dem bis zu sechs
Personen schlafen. Bei allen Familien wurden wir herzlich in Empfang genommen
und haben eine Tasse Tee oder Saft bekommen. Man hat gesehen, dass sie sich
sehr gefreut haben, dass wir da sind. Die Kinder sind alle sehr süß und nett,
manchmal etwas schüchtern und aufgeregt, uns zu sehen. Die meisten haben uns am
Ende noch hinausbegleitet oder uns zu der nächsten Familie gebracht. Die Familien
aus den verschiedenen Slums kennen sich untereinander, da sie sich jeden
Sonntag in der Kirche sehen – die Lisu sind nämlich Christen. Da die meisten
Eltern kaum Chinesisch sprechen, die Kinder ein bisschen mehr, da sie es in der
Schule lernen und unser Chinesisch auch noch nicht so ausgereift ist, war die Kommunikation
sehr schwierig. Trotzdem haben wir erfahren, dass die Kinder sich gut in der Schule schlagen und soweit keine Fragen oder Probleme
haben.


Dass diese Kinder durch das Slumkidsprojekt die Möglichkeit
haben, zur Schule zu gehen und damit die Aussicht auf eine bessere Zukunft für
sie und ihre Familien haben, ist wirklich großartig. Damit dies aber auch in
Zukunft möglich ist, brauchen die Kinder Paten in Deutschland, die ihre
Schulgebühren, Schuluniform, Essensgebühren und Unterrichtsutensilien
finanzieren. Dies ist mit einem Beitrag von 100 Euro im Jahr möglich.

Zurzeit sind noch 9 Kinder auf einen Paten angewiesen. Dies
kann entweder eine Privatperson oder eine Institution sein. Wenn du selbst an
einer Patenschaft interessiert bist, weitere Fragen hast oder jemanden kennst,
der gerne ein Kind unterstützen würde, schreib einfach eine Mail an slumkids@baumhaus-projekt.de oder
gib diese Adresse weiter. Ich möchte dir wirklich ans Herz legen, darüber
nachzudenken, denn dieses Projekt verändert Leben. Jeder Pate bekommt einmal im
Jahr nach der Summerschool einen Bericht über das Kind, das er unterstützt.
Außerdem werde ich selbst bei der Summerschool dabei sein und mit den Kindern
Zeit verbringen – und natürlich davon berichten.

Weitere Informationen zum Projekt findest du auf www.baumhaus-projekt.de.



Alles rund ums Essen

Blog Posted on Dec 14, 2016 15:37

Essen spielt in China eine sehr große Rolle. So wird man immer wieder gefragt, ob man schon gegessen hat und wenn wir zur Essenszeit über die Schulhof laufen, rufen uns alle Schüler 吃饭 (chifan) zu, was „essen“ bedeutet und wörtlich übersetzt „Reis essen“ heißt. Das trifft es ziemlich gut, da man wirklich zu jeder Mahlzeit Reis isst. Natürlich nicht nur Reis, sondern dazu viel Gemüse und vor allem viel Fleisch. Zum Frühstück isst man Nudeln, aber selbst diese sind oft aus Reis gemacht. Bei uns gibt es zwei Sorten: 米线 (mixian) und 米干 (migan). Ich esse meistens 米线. Wir essen fast jeden Morgen in der gleichen Suppenküche direkt gegenüber von unserer Schule. Eine Suppe kostet 5元. Das ist weniger als ein Euro. Zu den Nudeln gibt es etwas Lauch und Fleisch und dann kann man sich seine Suppe je nach Belieben würzen mit jeder Menge Soßen, scharfen Gewürzen und eingelegtem Gemüse. Mittagessen gibt es schon um 11:40 Uhr in unserer Schulkantine, was meines Erachtens nach viel zu früh ist. Wir essen entweder in der Schulmensa, wo wir kostenlos Essen bekommen, oder kochen selbst, was den Vorteil hat, dass wir uns die Zeiten selbst aussuchen können, oder wir werden von den Lehrern zum Essen eingeladen. Abendessen gibt es in der Schule um 17:00 Uhr, was ebenfalls viel zu früh ist, aber man isst abends manchmal noch ein Barbecue, oder auf Chinesisch 烧烤 (shaokao), also wird man auf keinen Fall verhungern.
Wir werden sehr oft zum Essen eingeladen. Das ist oft sehr nett, manchmal aber recht unangenehm, wenn niemand anwesend ist, der Englisch spricht und dir die ganze Zeit Essen angedreht wird, was du eventuell gar nicht essen willst. Die Restaurants sind ganz anders als die in Deutschland. Man sitzt nicht in einem geschlossenen Raum, sondern es gibt meist viele Räume nebeneinander, die zu einer Seite hin offen sind. Oft sitzt man anfangs draußen und isst eine Vorspeise – Sonnenblumenkerne, gebratener Fisch oder anderes Fleisch.

Die Tische sind rund und sehr niedrig, die dazu gehörigen Hocker sind noch kleiner. Anfangs ist es sehr ungewohnt und ungemütlich auf solchen Hockern zu sitzen, aber man gewöhnt sich dran. Die Tische haben meist in der Mitte eine drehbare Platte, auf der die Speisen stehen, sodass man an alles herankommt, wenn man die Platte dreht. Jinggu County ist für seinen Mangosaft bekannt, weshalb wir diesen andauernd trinken und ich liebe ihn! Wo ich schon bei Getränken bin, darf natürlich der Tee nicht fehlen, denn kein Essen ohne Tee.

Wenn der Hauptgang dann endlich fertig ist (und man sich nicht schon an der Vorspeise satt gegessen hat… da muss man wirklich aufpassen) setzt man sich an einen anderen Tisch, wo viele Schüsseln mit verschiedenen Gerichten stehen. Und zwar wirklich viele – um die sechs bis sechzehn. Jeder hat eine Schüssel, die man erst aus dem Plastik auspacken muss, in dem sie nach dem Abwaschen immer wieder neu eingepackt werden, am besten, in dem man mit den Stäbchen (auch in Plastik eingepackt) ein Loch in die Verpackung sticht und die Schüssel so problemlos auspacken kann. Anschließend bekommt jeder Reis in seine Schüssel und dann kann man sich bedienen. Anfangs hat mich dieses Essen immer überfordert, da man nicht weiß, was das alles ist, was da auf dem Tisch steht, und man auch nicht weiß, wie man das dann essen kann. Mit Stäbchen essen war bei mir zum Glück kein Problem, da ich auch schon in Deutschland oft mit Stäbchen gegessen hab, aber so ein Stück Fleisch zu essen, an dem überall Knochen und Haut ist, das Fleisch aber kaum herauszupicken ist, ist wirklich eine Herausforderung. Hinzu kommen noch die freundlichen Gastgeber, die die immer wieder etwas in deine Schüssel füllen, du das aber eventuell gar nicht essen willst… Dass es aber wirklich kein Problem ist, etwas in der Schüssel übrig zu lassen, habe ich schnell gelernt.
Es gibt eine große Auswahl an Speisen, wobei einige Speisen bei fast jedem Essen zu finden sind. Abgesehen von Reis gibt es immer mindestens eine Sorte Fleisch, wobei ich von Klassikern wie Hühnerfleisch, Schweinefleisch und Rindfleisch über Ente, Gans, Esel und Ziege bis hin zu exotischeren Gerichten wie Ochsenfüßen und Bienenlarven schon viel gegessen habe. Oft gibt es eine große Schüssel mit Fleisch in einer Suppe in der Mitte des Tisches und noch weitere Fleischsorten auf kleineren Tellern drumherum. Auch die Art der Zubereitung des Fleisches variiert, so gibt es gekochtes Fleisch, gebratenes Fleisch, Trockenfleisch […]. Das Fleisch ist hier oft gar nicht so leicht zu essen, da das Huhn/Rind/Schwein oder was auch immer einfach komplett kleingehackt wird, sodass die Knochen und alles noch drin sind… Das Fleisch schmeckt oft noch so gut, aber es ist einfach unmöglich, es zu essen. Generell ist Fleisch ein interessantes Thema in China. Die Chinesen essen wirklich alles vom Tier – seien es Füße, Innereien, Augen oder einfach nur pures Fett… Sehr gewöhnungsbedürftig für uns Europäer, aber die Chinesen lieben es. Abgesehen davon, dass sie alles vom Tier essen, essen sie auch sehr viele verschiedene Tiere. So haben wir schon oft Bienen, Bienenlarven und Würmer, die in Bambus leben, serviert bekommen. Anfangs hatte ich wirklich großen Respekt vor diesen, vor allem, da uns immer wieder gesagt wurde, dass manche Leute allergisch dagegen sind, aber inzwischen esse ich besonders die Würmer sehr gerne. Sie sind gebraten wirklich knusprig, eigentlich wie Chips. Wir haben sogar schon von unserem Vize-Schulleiter noch lebende Bambus-Würmer geschenkt bekommen und diese dann zuhause gebraten – zu Halloween. Das war eine der lustigsten Aktionen, die ich hier bisher erlebt habe. Wir haben Öl in einer Pfanne erhitzt und dann die lebenden Würmer in die Pfanne geworfen. Sie wurden plötzlich ganz lang und es hat laut gebrutzelt, dann waren sie eigentlich auch schon fertig. Wie eine Lehrerin so passend beschrieb: Erst sind sie weiß, und wenn sie gelb sind, sind sie fertig. Das eklige an der ganzen Aktion war, dass die Würmer ziemlich durch die Gegend gespritzt sind, wenn man sie in die Pfanne gegeben hat. Unsere Taktik sah also so aus, dass ich ein paar Würmer in die Pfanne werfe und wir dann schnell aus der Küche rennen und die Tür schließen. Wir mussten zwar im Nachhinein unsere komplette Küche putzen, da überall Wurminnereien und Fettspritzer waren, aber die Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt und die Würmer waren mit etwas Salz sehr lecker. Und wo ich gerade beim Thema Halloween bin: In China wird zwar kein Halloween gefeiert, aber davon gehört haben doch viele schon. So haben mir zwei meiner Schülerinnen nach dem Unterricht Lollis zu Halloween geschenkt und meine Senior Klasse ist abends am Ende der Stunde gemeinsam aufgestanden und hat im Chor „Happy Halloween to you!“ gerufen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe.


So, nach diesem kleinen Exkurs geht es weiter im Thema. Eine weitere Speise, die bei fast jedem Essen zu finden ist, ist eine Suppe mit einer Art Salat, welche sehr lecker ist und vor allem überhaupt nicht scharf ist, weshalb sie einen guten Ausgleich zu dem sonst sehr scharfen Essen bildet. Außerdem gibt es häufig gekochten Salat (sehr lecker, warum kochen wir Salat in Deutschland eigentlich nicht??), gekochte Gurken in einer super leckeren Soße, Tomate mit Ei (sehr lecker und sehr einfach zu kochen, kochen wir auch oft selbst), Kartoffeln in verschiedenen Formen (gekocht oder als eine Art Kartoffelpuffer), Bambussprossen, Pilze, Brokkoli, Bohnen, Erdnüsse, Möhren, Minze und vieles mehr. Tofu gibt es auch in vielen Formen, aber bei uns tatsächlich recht selten. Ansonsten gibt es natürlich eine ganze Menge scharfe Gerichte, sei es das Fleisch oder das Gemüse, und wenn die Gerichte an sich nicht scharf genug sind, kann man sicher sicher sein, dass es noch eine scharfe Soße extra gibt, in die man sein Fleisch tunken kann. Mit vielen der schärferen Gerichte komme ich klar, wenn auch manchmal unter Tränen und laufender Nase, aber es gibt Schärfen, die kann ich nicht essen, ohne das Gefühl zu haben, keine Luft mehr zu bekommen. Da viele der Lehrer zumindest aber wissen, dass wir in Deutschland nicht so scharf essen, werden oft für uns weniger scharfe Gerichte bestellt.
Apropos scharf: Wir wurden schon des Öfteren zum Hotpot essen eingeladen. Hier gibt es eine große Schüssel mit Suppe in der Mitte, die von unten erhitzt wird. Dann werden nach und nach alle möglichen Zutaten hinzugegeben und sobald sie fertig gekocht sind, kann man sie in seine Schüssel füllen und essen. Es erinnert mich ein wenig an Fondue, nur dass man keine Spieße hat. Ich esse Hotpot sehr gerne, nur ist es meistens so scharf, dass ich nicht besonders viel essen kann oder Unmengen an Kokosnusssaft dazu trinken muss.

Weitere Speisen sind Jiaozi 饺子, was mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen sind. Wir haben diese auch schon selbst gekocht, was eine sehr schöne Erfahrung war.

Im Gegensatz zu Jiaozi, welche gekocht werden, werden die sehr ähnlich klingenden Baozi 包子 gedämpft und bestehen aus einem dickeren Teig. Es gibt sie mit vielen verschiedenen Füllungen, wie Fleisch, Gemüse und Nudeln, aber auch süßen Füllungen wie Zucker, roter Bohnenpaste etc.

Interessante Snacks in China sind Tomaten und Gurken mit Zucker (ich weiß wirklich nicht, warum sie alles scharf essen, aber das plötzlich süß) und eine unglaublich bittere Frucht, die man in ein scharfes Pulver dippt (sorgt definitiv für eine lustige Grimasse, aber wie kommt man darauf??). Die Süßigkeiten schmecken meist sehr künstlich und überall gibt es eine Art Wackelpudding zu kaufen, teilweise mit irgendwelchen Stückchen drin, der mir anfangs sehr unsympathisch war, aber man kann ihn tatsächlich essen.

Das war auch schon alles, was ich zum Essen hier in China zu sagen habe. Ich hoffe, der Text kann dir eine ungefähre Vorstellung davon geben, was ich hier so esse und wie ich so darüber denke.



Die Reise ins Reich der Mitte

Blog Posted on Oct 21, 2016 14:40

Mein Abenteuer begann am 1. September, als ich mich morgens um 9 Uhr von meiner Familie am Bahnhof in Kiel verabschiedete und in den Zug nach Frankfurt stieg. In Frankfurt am Flughafen angekommen, habe ich dann alle meine 20 Mitfreiwilligen sowie unsere Projektleiter getroffen. Es gab noch ein paar gute Worte für das uns bevorstehende Jahr von Seiten unserer Projektleiter und dann waren wir auch schon bereit für den ersten Flug nach Paris. Aufgrund technischer Probleme verzögerte sich unser Abflug allerdings noch um ca. 2 Stunden, was zufolge hatte, dass unser Anschlussflug schon abgeflogen war, als wir endlich in Paris ankamen. Wir wurden in eine andere Halle geführt, wo wir Frisbey-spielend auf die nächsten Schritte gewartet haben. Schließlich wurden wir dann ins Hotel gefahren und nach einer recht kurzen Nacht, aber einem ausgiebigen französischen Frühstück, stiegen wir endlich in den Flieger nach Peking. Der Flug dauerte 10 Stunden, welche ich mit Filme gucken, Musik hören und Gesprächen mit dem Steward auf französisch verbracht habe, aber kein Auge zubekommen habe. Um 6:20 Uhr Ortszeit sind wir schließlich in Beijing gelandet (inzwischen war schon der 3. September) und mussten dann noch sechs lange Stunden am Flughafen warten, bis wir weiter nach Kunming, der Hauptstadt von Yunnan, fliegen konnten. Diese Zeit habe ich hauptsächlich mit schlafen auf dem sehr unbequemen Boden des Flughafens verbracht.

Der Flug nach Kunming war aufgrund vieler Turbulenzen ebenfalls sehr unbequem und ich war froh, als wir nach drei Stunden ankamen und nur noch einen letzten Flug vor uns hatten. Der Flug nach Pu’er hatte allerdings auch Verspätung, da wir aufgrund eines Unwetters nicht starten konnten, und so kamen wir schließlich völlig fertig abends gegen 19 Uhr in Pu’er an, wo wir von ein paar Freiwilligen der letzten Generation sowie unseren Linkteachern und Schulleitern oder Vize-Schulleitern in Empfang genommen wurden. Anstatt aber sofort ins Bett zu fallen, gab es erst noch ein Essen auf chinesische Art, was mich sehr überforderte. Wir saßen in einem kleinen Restaurant (es sah eher aus wie eine Garage) an einem runden Tisch mit einer drehbaren Platte in der Mitte auf kleinen Hockern. Jeder hatte eine Schüssel mit Reis und in der Mitte standen viele Schüsseln mit verschiedenen Gerichten, von denen sich jeder das, was er wollte, in seine eigene Schüssel füllen konnte. Andauernd wurde mir von den Chinesen Essen in meine Schüssel gefüllt und nein zu sagen, wäre unhöflich gewesen. Inzwischen weiß ich, dass es in China höflich ist, den Gästen Essen in die Schüssel zu füllen, es aber vollkommen okay ist, wenn man Essen in der Schüssel übrig lässt. Noch eine Sache, die ich damals sehr ungewohnt fand und teilweise immer noch komisch finde: Müll und Essensreste, wie z.B. Knochen, werden einfach auf den Boden geschmissen. Ich wusste nicht genau, was ich da aß, so gut wie alles war mir vollkommen fremd und manches sehr scharf. Aber ich hatte sowieso nicht so viel Hunger, sondern wollte einfach nur ins Bett. Daraus wurde aber erstmal noch nichts, denn wir hatten erst noch ein Meeting im Hotel, bei dem viele wichtige Leute viele wichtige Dinge sagten (auf Chinesisch, aber ein Übersetzer hat auf Englisch übersetzt) und wir Freiwilligen alle einzeln vorgestellt wurden. Wir mussten noch einen Vertrag unterschreiben, aber dann konnten wir endlich im Hotel schlafen.
Am nächsten Morgen haben unser Linkteacher und unser Vize-Schulleiter Leoline (meine Mitfreiwillige) und mich abgeholt und wir sind nach Yongping gefahren. Ich war so gespannt auf die Stadt und die Schule, in der wir ein Jahr lang leben und arbeiten würden. Die Aussicht während der Fahrt war atemberaubend schön. Hier gibt es so viele Berge, alle grün bewachsen mit vielen verschiedenen Bäumen und anderen Pflanzen. Das bin ich als Kind aus dem Norden ja gar nicht gewohnt. Angekommen an unserer Schule tranken wir noch einen Becher Tee mit dem Schulleiter, bevor wir endlich in unsere Wohnung geführt wurden. Auf dem Weg sind wir einigen Schülern begegnet und sie haben uns angeguckt, als seien wir Aliens. Was wir genau genommen auch sind (Englisch: alien = Ausländer). Die Leute hier haben noch nie zuvor Ausländer gesehen, weshalb wir eine große Attraktion sind. Das kann sich entweder so äußern, dass die Leute uns hinterherrufen und Fotos von uns machen oder aber, dass sie vor uns weglaufen… Diese Reaktionen sind sehr gewöhnungsbedürftig, aber das ist so manch anderes hier ja auch.

Ich habe mich hier inzwischen schon sehr gut eingelebt und bin sehr froh, mich für Baumhaus in China entschieden zu haben.

Es tut mir leid, dass ich erst jetzt berichte, aber ich hatte vorher einfach noch keine Gelegenheit dazu. Ich werde mir Mühe geben, in Zukunft öfter mal über meine Erlebnisse zu berichten. An dieser Stelle möchte ich noch kurz Werbung für meine Galerie machen. In dieser ist schon deutlich mehr passiert, als hier auf meinem Blog. Wenn du meine Galerie anschauen willst, schreib mir einfach eine Mail an info@kungfufranka.de und ich werde dich dann hinzufügen.

Soweit erstmal für heute,

viele Grüße aus dem hochsommerlichen Yongping