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Monatsbericht August

Monatsberichte Posted on Sep 09, 2017 10:13

Es ist
vorbei. Ein Jahr lang habe ich in einem Land gelebt, das mir anfangs völlig
fremd war und inzwischen so vertraut. Ich habe so viele neue Erfahrungen
gesammelt, wie es mir in Deutschland nie möglich gewesen wäre. Daraus habe ich
mehr gelernt, als ich mir je hätte vorstellen können. Es war oft nicht leicht,
aber ich habe mich allen Herausforderungen gestellt und bin daraus gestärkt
hervorgegangen. Also bereue ich die Entscheidung, diesen Freiwilligendienst in
China gemacht zu haben? Nein. Es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Bevor ich
jetzt aber von meinem Abschied berichte und davon, was ich aus diesem Jahr
mitnehme, möchte ich noch kurz von den Erlebnissen berichten, die der letzte
Monat mit sich gebracht hat.

Anfang
August kam überraschend die Nachricht, dass die Summerschool dieses Jahr leider
nicht stattfinden kann. Das fand ich wirklich schade, da ich mich schon seit
Anfang des Freiwilligendienstes darauf gefreut hatte. Aber ändern konnte ich
daran nun mal nichts. Also musste ich spontan meine Pläne ändern und eine
Beschäftigung für die anderthalb Wochen finden. Noch mehr zu reisen kam für
mich aber nicht in Frage, da ich dafür weder genug Urlaubstage noch genug Geld
hatte. Also verbrachte ich ein paar Tage mit Lea an der Pu’er Erzhong und
danach noch ein paar Tage in Yongping, wo es allerdings ohne die ganzen Schüler
und Lehrer sehr einsam war. Ich hatte mich schon Mitte Juli von allen
verabschiedet und musste jetzt noch einen ganzen Monat in China bleiben, obwohl
es für mich eigentlich nichts mehr zu tun gab. Die Aussicht, am Ende des Monats
nochmal einige meiner Schüler wiederzusehen, freute mich aber sehr. Mitte
August bin ich dann mit Maria nach Kunming und Chengdu gereist. Kunming hat
mich nicht so überzeugt, da es nur eine weitere Großstadt war. Auf Chengdu war
ich aber sehr gespannt, da ich schon viel von dem scharfen Essen, den Pandas
und der Stadt gehört hatte. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe mich in
Chengdu von Anfang an wohlgefühlt. Während unserer Chengdu-Reise hatte ich auch
Geburtstag. An dem Tag sind wir morgens zu den Pandas gegangen und haben abends
Hotpot gegessen, mein Lieblingsessen in China.

Nach dem Urlaub bin ich zurück nach Yongping gefahren, um
meine Sachen zu packen und meine Schüler wiederzusehen. Denn meine ehemaligen
Senior 2 Schüler waren jetzt Senior 3 Schüler und hatten deshalb schon früher
wieder Unterricht. Ich habe mich also mehrmals in der Abendpause mit denjenigen
Schülern getroffen, die an meiner English Corner teilgenommen hatten. Später
bin ich auch abends in die Klassenräume gegangen und habe sogar einmal am
Englischunterricht teilgenommen. Es war das erste Mal, dass ich wirklich
außerhalb des Unterrichts Zeit mit meinen Schülern verbracht habe. Anfangs
waren sie noch etwas schüchtern, aber als ich dann angefangen habe, auf
Chinesisch mit ihnen zu sprechen, haben sie mich mit Fragen bombardiert und wir
hatten viel Spaß. Besonders ist mir aufgefallen, dass sie dadurch, dass ich
Chinesisch gesprochen habe, was ich auch nicht perfekt kann, sich selbst
getraut haben, mit mir auf Englisch zu sprechen. So kam es nicht selten vor,
dass ich eine Frage auf Chinesisch gestellt habe und sie mir auf Englisch
geantwortet haben. Das hat mich sehr gefreut. Ich wünschte, ich hätte schon
früher mehr Zeit mit meinen Schülern verbracht, da ich glaube, dass beide Seiten
daraus viel hätten lernen können. Aber wie vieles andere in meinem
Freiwilligendienst auch, hat es sich erst zum Ende hin entwickelt. Besser spät
als nie. Und wenn ich eines in diesem Jahr gelernt habe, dann ist es, dass
nicht immer alles so laufen muss, wie ich es mir wünsche, um gut zu sein.
Manchmal ist es am Ende sogar besser, weil es anders gelaufen ist. Und auch
wenn nicht, kann ich zumindest etwas daraus lernen.

Und ich lerne daraus, dass ich in Zukunft mutiger sein will,
neue Dinge auszuprobieren und auf neue Menschen zuzugehen. Denn ich glaube, ich
werde eine falsche Entscheidung weniger bereuen, als die Entscheidung, nichts
gemacht zu haben. Ich habe mir besonders im ersten Halbjahr immer gedacht, dass
ich alles noch besser machen könnte. Ich wollte besseren Unterricht geben, mehr
Chinesisch sprechen, nicht mehr so schüchtern sein. Und weil es nie perfekt
war, war ich eigentlich immer unzufrieden. Aber inzwischen weiß ich, mich mit
den Zuständen zufrieden zu geben, so wie sie sind. Und darum kann ich glücklich
auf meinen Freiwilligendienst zurückblicken, auch wenn lange nicht alles so
gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte.

Als ich mich von meinen Schülern und Freunden
verabschiedet habe, haben sie mich alle gefragt, wann ich denn nach China
zurückkommen werde. Vielleicht werden es zwei Jahre sein, vielleicht kann ich
auch erst nach meinem Studium zurückkehren. Auf jeden Fall werde ich weiterhin
Chinesisch lernen und mit so vielen Chinesen wie möglich in Kontakt bleiben. China,
und besonders Yongping, ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. Und darum
werde ich immer den Wunsch haben, nach Hause zurückzukehren.



Monatsbericht Juli

Monatsberichte Posted on Aug 05, 2017 21:24

Nun rückt das Ende des Freiwilligendienstes wirklich
spürbar näher. Denn obwohl ich noch einen Monat lang in China bin, hieß es
schon Anfang Juli für mich, mich von den Lehrern und Schülern zu verabschieden.
Aufgrund der Examen hatte ich nur noch eine Woche Unterricht im Juli. Er war
ein komisches Gefühl, das letzte Mal vor meinen Schülern im Klassenraum zu
stehen, mich zu verabschieden und zu wissen, dass ich sie wahrscheinlich nie
wieder sehen werde. Da mein Unterricht in diesem Jahr aber so unbeständig war,
habe ich nicht so eine starke Bindung zu meinen Schülern aufgebaut, wodurch der
Abschied nicht so schwer war. Es gab trotzdem einige rührende Momente, die ich
nicht so schnell vergessen werde. In der letzten Junior English Corner haben
meine Schüler das Lied „Head and Shoulders, Knees and Toes“ für mich gesungen. Das
war das erste, was ich ihnen beigebracht hatte. In meiner letzten Stunde mit
der Senior English Corner wollten mich die Schüler gar nicht gehen lassen und
haben alle zusammen zwei chinesische Lieder für mich gesungen: 朋友 (Freund) und 再见 (Auf Wiedersehen). Sie können vielleicht nicht auf
Englisch ausdrücken, wie glücklich sie sind, mich kennengelernt zu haben, aber
diese Geste sagt mehr als tausend Worte.

Ich hatte leider nicht die
Möglichkeit, mich von allen meinen Schülern zu verabschieden, da ich viele
meiner Klassen dieses Halbjahr nicht mehr unterrichtet habe. Umso dankbarer war
ich, als ein Englischlehrer mich angesprochen hat, ob meine chinesische Freundin
Tracy und ich einen Vortrag vor den Junior 1 Schülern zum Thema Wichtigkeit von
Englisch halten können. So versammelten sich an einem Abend rund 440 Schüler (ca.
die Hälfte der Junior 1 Schüler, nur die besten durften teilnehmen) und einige
Lehrer im großen Hörsaal. Tracy und ich erzählten von unseren Erfahrungen und
Ansichten über das Englischlernen, Tracy auf Chinesisch und ich auf Englisch,
wobei sie übersetzte. Am Ende konnten die Schüler Fragen stellen. Ob dieser
Vortrag nun wirklich das Interesse der Schüler fürs Englischlernen gesteigert
hat, weiß ich nicht, aber ich hoffe, dass sie nun verstehen, welche neuen
Möglichkeiten Ihnen Englisch eröffnen kann. Durch diesen Vortrag war es mir
schließlich möglich, mich von vielen meiner Schüler zu verabschieden.

In der ersten Ferienwoche bin ich mit Tracy und Sascha
(ein Mitfreiwilliger) nach Chongqing geflogen. Chongqing ist die größte Stadt
der Welt mit einer Fläche so groß wie Österreich. Die Stadt ist wirklich
beeindruckend. Unser Hostel war im 50. Stock, wodurch wir eine atemberaubende
Aussicht direkt auf den Jangtse Fluss hatten. Besonders eindrucksvoll fand ich
die Mischung aus modernen Wolkenkratzern und alten traditionellen Gebäuden. Das
Wetter war unglaublich heiß mit täglich 37 Grad Celsius im Schatten, nur leider
wenig Schatten. Unser Hostel sowie die meisten Gebäude hatten allerdings eine
Klimaanlage, was die Hitze ertragbar machte. Außerdem wurden in der Innenstadt
Fächer mit Werbung verteilt. Chongqing ist für seinen Hotpot bekannt und einen
super scharfen, heißen Hotpot bei super heißem Wetter zu essen, ist ein
Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen darf. Mit einer Chinesin zu
verreisen war eine sehr interessante und positive Erfahrung. Abgesehen davon,
dass Tracy auf Chinesisch kommunizieren kann, kannte sie auch einige Tricks,
die uns das Reisen erleichterten, wie zum Beispiel Tickets im Vorhinein im
Internet für weniger Geld zu kaufen. Umgekehrt hat Tracy aber auch von Saschas
und meiner deutschen Einstellung zum Reisen profitiert, da wir immer versucht
haben, Kosten zu vermeiden und lieber zu Fuß gegangen sind als das Taxi zu
nehmen. So konnten wir in diesem Urlaub einiges voneinander lernen.

Anschließend habe ich ein
paar Tage in Pu’er bei den anderen Freiwilligen verbracht und Lea
(Mitfreiwillige) hat mich in Yongping besucht.

Ende Juli bin ich dann noch für zwei Tage zu einer
Schülerin von mir nach Xishuangbanna gefahren. Das war eine wirklich prägende
und einmalige Erfahrung. Ich habe bei ihr zuhause gewohnt (in einer kleinen
Stadt außerhalb von Jinghong) und mit ihrer Familie gegessen, geredet und
Ausflüge gemacht. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und habe besonders die
kleine Schwester meiner Schülerin sehr ins Herz geschlossen. Sie und die
anderen Kinder in der Nachbarschaft haben mich sofort 姐姐 (große Schwester) genannt und mir alles gezeigt und
erklärt. Da in der Familie niemand Englisch sprechen konnte, haben wir auf
Chinesisch kommuniziert und ich war wirklich erstaunt, wie gut das funktioniert
hat. Besonders die Kinder haben schnell verstanden, wie sie mit mir reden müssen,
damit ich sie verstehe und wenn ich etwas doch nicht verstanden habe, waren sie
sehr geduldig und haben mir den Satz erklärt, bis ich ihn verstanden habe. Dieser
Ausflug war eine großartige Gelegenheit und ich habe nicht nur sehr viel
Chinesisch gelernt, sondern auch viel über die Dai-Minderheit aus Xishuangbanna, welche sich von den Dai
hier aus Jinggu unterscheidet, gelernt.



Monatsbericht Juni

Monatsberichte Posted on Jul 11, 2017 18:11

Der Juni war für mich geprägt
von großartigen Entwicklungen und Erfolgen – und sehr viel Regen.
Die English Corners laufen immer noch sehr gut, besonders
die Senior English Corner macht mir sehr viel Spaß und die Schüler sind mir
inzwischen wirklich ans Herz gewachsen. Besonders eindrucksvoll finde ich zu
beobachten, wie die Schüler zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Das Englischniveau der Schüler ist sehr unterschiedlich, da Zehntklässler und
Elftklässler kommen, und was ich besonders mutig finde, auch Schüler, die kaum
Englisch sprechen und trotzdem mitmachen wollen. Wenn jemand etwas nicht
versteht, übersetzen diejenigen, die es verstanden haben, sodass alle mitmachen
können.

Die Schüler genießen die Zeit in der English Corner
sehr – so sehr, dass sie am Ende der Stunde nie aufhören wollen. Daher hat es
sich inzwischen etabliert, dass wir nach der regulären Stunde noch eine halbe
Stunde lang Spiele spielen mit allen, die noch Zeit und Lust haben.

Während der ersten dieser
Spielestunden äußerten einige Schüler den Wunsch, Deutsch zu lernen. Ich ging
sofort darauf ein und organisierte kurzerhand eine Deutsch Corner für den
folgenden Tag. Zu meiner Überraschung kamen sogar elf motivierte Schüler und
die Stunde lief erstaunlich gut! Nach einer kurzen Präsentation über
Deutschland und die Sprache, begann ich mit einigen einfachen Wörtern und
Sätzen. Am Ende der Stunde konnten sich die meisten Schüler mit wirklich guter
Aussprache gegenseitig nach dem Wohlbefinden und dem Namen fragen. Seit dem
hatte ich noch drei weitere Deutschstunden und ich bin jedesmal wieder
begeistert davon, wie gut sich die Schüler Vokabeln und Aussprache merken
können – besser als im Englischen. Auch wenn sie möglicherweise nie wieder ihre
Deutschkenntnisse brauchen werden, bin ich froh, ihnen ein Teil meiner Kultur
weiterzugeben und endlich ein richtiges eigenes Projekt zu haben.

In den English Corners und im
Unterricht lege ich großen Wert darauf, dass die Schüler versuchen,
selbstständig und kreativ zu arbeiten, da sie das in der Schule sonst nicht
wirklich lernen. Zu diesem Zweck habe ich in zwei meiner 7. Klassen eine
Plakataktion gestartet, bei dem die Schüler in kleinen Gruppen Plakate zu
verschiedenen Tieren auf Englisch erstellen sollten. Ich habe Steckbriefe zu
den Tieren und Bilder ausgeteilt, sowie Papier, Scheren und Klebestifte zur
Verfügung gestellt. Zwei Stunden lang haben die Schüler an ihren Plakaten
gearbeitet und die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Während
einige Gruppen nur den Steckbrief und das Bild aufgeklebt und das Plakat
angemalt haben, haben andere Gruppen ganze Texte zu den Tieren geschrieben und ihre
eigenen Kommentare hinzugefügt. Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr
zufrieden und ich glaube, die Schüler hatten auch Spaß daran, mal etwas anderes
im Unterricht zu machen.


Mitte Juni hatten wir ein Meeting mit allen
Freiwilligen in Pu’er bezüglich der Summerschool, welche im August stattfinden
wird. Wir haben den Ablauf besprochen, Regeln festgelegt und Aufgaben verteilt.
Ich werde Klassenlehrerin für die 2. und 3. Klassen sein und ein Bastelprojekt
leiten. Ich bin sehr gespannt, wie die Sumerschool wird.

Ich habe es diesen Monat leider nicht geschafft,
nochmal zum Querflötenunterricht zu gehen, da ich nicht in Jinggu war. Dafür
hab ich aber ein neues Hobby gefunden, welches ich mir seit Anfang des
Freiwilligendienstes gewünscht habe: Kung Fu. Ich habe eines Abends beobachtet,
wie zwei Sportlehrer auf dem Sportplatz mit Stock und Schwert trainiert haben und
habe gefragt, ob ich mitmachen kann. Sie haben mich sofort aufgenommen und mir
zwei Choreografien mit den beiden Waffen beigebracht. Das Gute an Sport ist,
dass man dafür keine Sprache braucht. Ich versuche trotzdem, so viel wie
möglich mit den Lehrern auf Chinesisch zu reden und das funktioniert wirklich
gut. Ich hatte bisher dreimal Kung Fu Training und kann die Choreos inzwischen
fast fehlerfrei vorführen. Das Training macht mir sehr viel Spaß und ich lerne
neben Kung Fu auch Chinesisch und die chinesische Kultur besser kennen. Die
letzte Woche ist das Training leider immer ausgefallen, da die 9. Klassen ihre
Abschlussprüfungen geschrieben haben und deswegen fünf Tage lang Ferien waren,
außerdem hat es jeden Abend geregnet. Zu allem Übel habe ich mir auch noch eine
Erkältung eingefangen.

Ich hatte vor langer Zeit mal
geschrieben, dass es schwierig für mich ist, hier in China wirklich Freunde zu
finden. Ich habe inzwischen zwar viele neue Leute kennengelernt, mit denen ich
mich auch gut verstehe, aber ich die meisten Leute sind nur an mir
interessiert, weil ich Ausländerin bin. Daher würde ich nur eine Person als
wirkliche Freundin bezeichnen. Sie ist die Tochter eines Englischlehrers von
unserer Schule und spricht sehr gut Englisch. Sie ist in Pu’er zur Schule
gegangen, weshalb ich sie nur selten treffen konnte, aber Anfang Juni hat sie
ihr Gaokao (vergleichbar mit dem Abitur) gemacht und ist jetzt wieder in
Yongping. Seitdem treffen wir uns oft und reden über alles Mögliche, von
kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und China, über typische
Mädchenthemen bis hin zu Politik. Sie kommt manchmal mit zu meinem Unterricht und
wir wollen Mitte Juli zusammen verreisen.
Ich bin sehr glücklich, sie
als Freundin zu haben und hoffe, dass wir noch viele Jahre in Kontakt bleiben
werden.



Warum?

Blog Posted on Jun 13, 2017 12:31

Die Frage
nach dem „Warum?“ ist ein ständiger Begleiter des Freiwilligendienstes. Vor dem
Freiwilligendienst habe ich mir viele Fragen gestellt. Die wichtigste: Warum
will ich einen Freiwilligendienst machen? Dafür hatte ich viele Gründe. Einer davon
ist, dass ich eine mir fremde Kultur kennen- und verstehen lernen wollte. Wie wichtig
das ist, habe ich aber erst während meines Freiwilligendienstes herausgefunden.

Noch nie war
es so wichtig für uns, andere Kulturen kennen- und verstehen zu lernen, wie in der
heutigen globalisierten Welt, in der wir Tag für Tag mit Menschen aus anderen
Kulturen zu tun haben. Für eine gute Zusammenarbeit ist es wichtig, sich
aufeinander verlassen zu können und wie können wir das, wenn wir nicht
verstehen, wie unser Gegenüber denkt und handelt. Denn dass es einen großen kulturellen
Einfluss auf das Denken und Handeln gibt, merke ich hier in China täglich. Ständig
bin ich in einer Situation, in der ich verständnislos dastehe und mich frage:
„Warum handelt mein Gegenüber gerade so, wie er es tut?“ Doch diese Situationen
werden seltener, je mehr ich mich mit der Denkweise der Chinesen
auseinandersetze und diese hinterfrage. Warum bietet mir der Lehrer bei über 30
Grad Celsius einen Becher mit heißem Wasser an? Das Trinken von heißem Wasser
ergibt Sinn, wenn man bedenkt, dass in Ländern, in denen das Leitungswasser
kein Trinkwasser ist, dieses erst abgekocht werden muss. Und dann trinkt man
doch einfach das heiße Wasser anstatt zu warten, bis es abgekühlt ist. Eine
andere Frage, die sich bestimmt jeder stellt, der in China an einer Schule
unterrichtet: „Warum haben die Schüler in China bis spät abends Unterricht,
obwohl sie doch auch nur 10 Stunden am Tag haben?“ Wenn man sich einen
chinesischen Stundenplan anschaut, fällt auf, dass es viel längere Pausen gibt,
besonders für Mittag- und Abendessen. Denn mittags ist eine Pause für
Mittagsschlaf eingeplant. Dieser spielt im Tagesablauf eine wichtige Rolle und
dient der Entschleunigung des Alltags – ähnlich dem freien Sonntag in
Deutschland.

Handlungen,
Denk- und Sichtweisen zu hinterfragen, ist eines der wichtigsten Dinge, die ich
hier in China gelernt habe – sowohl die der Menschen um mich herum, als auch
meine eigenen. Nicht alle Sichtweisen sind richtig, aber wenn ich verstehe, was
die Gründe sind, kann ich diese gegeneinander abwägen und mir eine fundierte
Meinung bilden. Denn eine Meinung, die auf Vorurteilen beruht, wird nicht zur Lösung
von Konflikten beitragen, sondern diese nur verstärken.

„Die gefährlichste aller
Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht
angeschaut haben.“ – Alexander von Humboldt



Monatsbericht Mai

Monatsberichte Posted on Jun 04, 2017 10:34

Die
English Corners laufen nun schon zwei Monate und in den meisten Gruppen hat
sich inzwischen eine recht konstante Schüler- bzw. Lehrerzahl eingependelt. Trotzdem
läuft die English Corner nur selten wie geplant und ich muss immer wieder mit
Überraschungen rechnen. So hatten die Schüler diesen Monat oft Klausuren um 18
Uhr, wenn eigentlich die English Corner stattfindet und es passierte nicht
selten, dass ich um 18 Uhr vor dem Unterrichtsgebäude stand und meine Schüler
an mir vorbeilaufen sah, als sie zum großen Hörsaal rannten, in welchem die
Klausuren geschrieben werden. Umso erstaunter war ich, als, nachdem zwei Wochen
lang gar keine Oberstufenschüler gekommen sind, in der nächsten Woche plötzlich
20 Schüler auf mich warteten, die zur English Corner wollten. Zum Glück hat
mich meine Zeit in China zum Meister im Improvisieren gemacht und solche
Situationen sind für mich kein Problem mehr.

Insgesamt läuft mein
Unterricht gut und ich hatte auch diesen Monat wieder viele lustige und
wirklich gute Stunden, auch wenn ich manchmal nur den Kopf schütteln kann, wenn
mir z.B. ein Schüler auf die Frage, wo denn die USA liege, mit „Europe!“
antwortet…

Ob Klausuren
oder Feste (diesen Monat war das Drachenbootfest), andauernd fällt mein
Unterricht aus und ich kann mich glücklich schätzen, wenn ich mal alle meine 9
Stunden pro Woche habe, was im Vergleich zu den 18 Stunden im letzten Halbjahr immer
noch sehr wenig ist. Ich habe also nicht besonders viel zu tun, was mich oft
etwas unglücklich macht, da ich nicht ganz weiß, was ich mit der vielen freien
Zeit angefangen soll. So verbringe ich wieder viel Zeit in meinem Zimmer, was
auch dem heißen Wetter geschuldet ist, da man mittags und nachmittags kaum das
Haus verlassen kann. Um die Zeit trotzdem sinnvoll zu nutzen, lerne ich oft
Chinesisch oder treffe Vorbereitungen für die Zeit nach dem Freiwilligendienst,
die langsam aber sicher immer näher rückt. Meine Bewerbung für ein Studium an
der Uni Lübeck habe ich schon abgeschlossen und ich bin dabei, mein Wissen in
Mathe und Chemie wieder aufzufrischen, da ich nach einem Jahr Pause erstaunlich
viel vergessen habe…

Auch
wenn ich das Gefühl habe, nicht besonders viel zu tun, zeigt mir ein Blick in
mein Tagebuch, wie viel ich doch diesen Monat wieder erlebt habe. Ich habe eine
Woche lang alleine in unserer Wohnung gelebt, als Leoline in Zhenyuan
unterrichtet hat, und ihren Unterricht mit übernommen. Ich habe sechs Stunden
in der 12. Klasse unterrichtet, die kurz vor ihrem Abschluss steht, als unser
Linkteacher mehrere Fußballspiele in Jinggu hatte und deswegen keine Zeit,
seine Klassen zu unterrichten. Ich habe bei einigen der besagten Fußballspiele
zugeguckt und die Lehrermannschaft unserer Schule angefeuert. Ich war bei einem
wunderschönen Fest in der Behindertenschule in Jinggu, bei welchem die Schüler
Tänze, Gesänge und andere Dinge aufgeführt haben. Ich war zum ersten Mal seit
fast einem Jahr wieder schwimmen im Schwimmbad in Jinggu.

Und was mich
am glücklichsten macht: Ich habe angefangen, chinesische Querflöte spielen zu
lernen. Ich bin öfters, wenn ich am Wochenende in Jinggu war, bei Franzi
mitgekommen, als sie zum Geigenunterricht gegangen ist und habe dort einen
Freund des Geigenlehrers kennengelernt, einen älteren Mann, der chinesische
Querflöte spielt. Ich war beigeistert von dem Instrument, da ich in meiner
Kindheit auch schonmal Querflöte gespielt hatte, und habe nachgefragt, ob er
mir beibringen kann, chinesische Querflöte zu spielen, die sich durch Klang und
Aussehen von der „westlichen“ Querflöte unterscheidet. Er hat sich gefreut,
mich zu unterrichten (auch wenn wir durch Sprache kaum kommunizieren können)
und hat mir sogar eine Querflöte zur Verfügung gestellt, die ich mit nach
Yongping nehmen kann, um unter der Woche zu üben. Ich hatte bisher zweimal
Unterricht bei ihm und kann schon ein paar einfache Lieder spielen. Ich finde
es eine sehr schöne Möglichkeit, durch die Musik die chinesische Kultur näher
kennenzulernen.



Monatsbericht April

Monatsberichte Posted on May 07, 2017 17:12

Der April
begann mit dem Totenfest und zwei Tagen Ferien. Bei diesem Fest gedenken die
Chinesen ihren verstorbenen Vorfahren. Dazu bereiten sie für sie ein Mahl vor
und verbrennen unechtes Geld, welches so den Toten gegeben wird. Passend zu
diesem Fest hat es tagelang in Strömen geregnet.

Durch die
zwei Tage Ferien verzögerte sich der Beginn der English Corner noch ein bisschen,
aber am Mittwoch Abend fand dann endlich zum ersten Mal die Lehrer English
Corner statt. Erstmal standen wir jedoch noch vor einer weiteren Hürde: In der
ganzen Schule schien es keinen Raum zu geben, den wir nutzen konnten, abgesehen
von dem großen Vorlesungsaal. Also fand die English Corner erstmal dort statt,
was wir aber nicht als dauerhafte Lösung ansahen, da es weder eine Tafel noch
ein Smartboard gibt und die Anordnung der Tische im Hörsaal für eine English
Corner nicht optimal ist. Von den insgesamt 25 Englischlehrern kamen ca. 10, es
war schließlich auch freiwillig. Leoline und ich unterrichteten zusammen und
begannen erstmal mit der Vorstellung jedes Einzelnen vor der Gruppe. Dies
bereitete den meisten Lehrern große Schwierigkeiten, da sie sich nicht trauten,
auf Englisch vor der Gruppe zu sprechen oder Probleme bei der Wortfindung und
Aussprache hatten. Am Ende hatte sich aber jeder mehr oder weniger ausführlich
vorgestellt und von den anderen Lehrern und uns ein kurzes Feedback zu seinem
Auftritt erhalten. Diese erste Stunde hat mir gezeigt, dass die Lehrer English
Corner an unserer Schule eine sinnvolle Idee ist. In den darauffolgenden Wochen
sind allerdings immer weniger Lehrer gekommen, letztes Mal waren es drei. Das
ist sehr schade, da die English Corner den Lehrern eine Chance gibt, Englisch
zu sprechen und ihnen so die Angst davor nimmt. Um Diskussionen voranzubringen,
müssen wir die Lehrer immer wieder ermutigen, etwas zu sagen, aber wenn sie
sich dann trauen, können dabei interessante Ideen aufkommen.

Für die
Englisch Corner der Schüler haben wir dann doch zwei Räume bekommen. Zweimal
die Woche findet eine English Corner für die Juniors statt und einmal für die
Seniors, wobei Leoline und ich gleichzeitig jeweils eine Klassenstufe
unterrichten. Bisher hat die English Corner zwei- bis dreimal stattgefunden.
Angestrebt waren Gruppen von 20 Schülern, aber auch hier sind es mit der Zeit
immer weniger geworden, sodass wir inzwischen einige Gruppen aus Schülermangel
zusammenlegen mussten. Trotzdem ist die English Corner sehr erfolgreich. Die
meisten Schüler sind motiviert und trauen sich inzwischen schon mehr als am
Anfang, vor der Gruppe zu sprechen. Die kleinen Gruppen ermöglichen es mir,
Spiele und Gruppenarbeiten durchzuführen, die in den normalen Klassen nicht
möglich sind. Daran haben die Schüler und ich viel Spaß.

Zu
Ostern habe ich in den English Corners eine kleine Osteraktion durchgeführt.
Zuerst haben die Schüler in Gruppen kleine Rätsel zu Ostern gelöst und
anschließend haben wir Topfschlagen gespielt. Mit verbundenen Augen und einem
Stäbchen in der Hand begaben sich die Schüler auf die Suche nach dem Topf und
wurden dabei von ihren Gruppenmitgliedern mit den Worten „right“, „left“, „go“
und „stop“ geführt. Als Belohnung war unter dem Topf ein von mir bemaltes,
ausgeblasenes Osterei versteckt, was bei den Schülern große Begeisterung
ausgelöst hat.

Zusätzlich
zu den English Corners habe ich mir fünf weitere Unterrichtsstunden in einigen
meiner alten Klassen organisiert. Auch diese laufen sehr erfolgreich,
besonders, da ich dieses Halbjahr deutlich mehr Zeit für die
Unterrichtsvorbereitung habe und meinen Unterricht so abwechslungsreicher und
interessanter gestalten kann. Leider fällt der Unterricht aufgrund
verschiedener Ursachen oft aus.

Das English Trainingcenter in Jinggu, eine
Privatschule, welche Grundschülern anbietet, am Wochenende dort Englisch zu
lernen, hat bei uns angefragt, ob wir Lust haben, einmal dort zu unterrichten.
Also fuhren wir vorletzten Freitag nach Jinggu und trafen uns dort mit den
beiden Englischlehrern, welche uns die Räumlichkeiten zeigten, uns einen
Stundenplan für den folgenden Tag gaben und uns zum Essen einluden. Leoline und
ich haben jeweils vier 60-Minuten-Stunden unterrichtet und mit den vier bis
zwölf jährigen Schülern ein paar Spiele gespielt, um ihr Interesse am
Englischlernen zu steigern. Grundschüler zu unterrichten war für mich eine sehr
interessante und spaßige Erfahrung.

Da
bei uns in Yongping viele Menschen der Dai-Minderheit leben, wurde hier das
Water Splash Festival, welches Mitte April stattfand, groß gefeiert. Die
Schüler hatten frei und liefen ab Freitag Nachmittag mit Wasserpistolen,
Wasserbomben und Wassereimern bewaffnet durch die Straßen und sorgten dafür,
dass niemand trocken blieb. Ich stürzte mich mit in die Wasserschlacht und war
innerhalb von wenigen Minuten klitschnass aber überglücklich. Drei Tage dauerte
dieses Fest und neben Wasserschlachten gab es traditionelle Tänze, natürlich
viel Essen und vieles mehr zu bestaunen und erleben. Leider spielte das Wetter
nicht ganz mit und so war uns in unserer nassen Kleidung recht schnell kalt.
Trotzdem war das Wochenende eines meiner Highlights hier in China und ich werde
es wohl nie vergessen.

Außerdem
haben wir an den Wochenenden interessante Ausflüge gemacht. So sind wir einmal in
die Berge zu den Teeplantagen gefahren. Es war wunderschön, weit und breit nur
grüne Teeberge zu sehen. Wir haben ein bisschen beim Teepflücken geholfen und
in einer Teefabrik gelernt, wie der Tee verarbeitet wird. An einem anderen
Wochenende sind wir wandern gegangen im Manyu Canyon, wo wir am Anfang des
Jahres schonmal waren. Es war schön, nun ein halbes Jahr später wieder dort zu
sein und die Schlucht mit dem großen Wasserfall und die vielen Bäume waren immer
noch wunderschön. Diesmal sind wir am anderen Ende losgelaufen, sodass wir
meistens bergab gegangen sind, was trotzdem noch anstrengend war, aber lange
nicht so anstrengend wie das letzte Mal. Dreieinhalb Stunden haben wir
gebraucht und waren danach klitschnass – vom Schweiß und vom Regen.



Monatsbericht März

Monatsberichte Posted on Apr 06, 2017 18:06

Ich bin mit sehr viel Motivation in das neue Halbjahr
gestartet, diese hat sich aber nicht lange gehalten, als mir Mauern in den Weg
gestellt wurden, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Gleich am Anfang des
Monats wurde uns gesagt, dass wir dieses Jahr den Fokus auf English Corner
legen und deshalb keinen Unterricht mehr haben. Das hat mich überrascht, aber
da die meisten Lehrer am Ende des letzten Halbjahres ihre Stunden wiederhaben
wollten, damit sie den Stoff vor den Examen schaffen, konnte ich es
nachvollziehen. Ich hatte schon länger die Idee für eine English Corner für
Lehrer, da das Englischniveau vieler Englischlehrer an unserer Schule nicht so
gut ist und die Schüler dadurch schlechtere Voraussetzungen haben, um Englisch
zu lernen. Außerdem freute ich mich darauf, in English Corners für Schüler in
kleineren Gruppen, und dadurch besseren Lernvoraussetzungen, zu üben.
Allerdings war die Organisation ein großes Problem. Das versprochene Meeting
mit allen Englischlehrern wurde immer wieder nach hinten verschoben und wir
hatten derweil nichts zu tun, außer mal als Vertretung für Englischlehrer
einzuspringen und eine Gruppe von vier Schülern auf einen bevorstehenden
Hörverstehen-Test in Englisch vorzubereiten. Diese Situation hat mich heruntergezogen,
da ich so viele neue Ideen für meinen Unterricht hatte, die ich gerne umsetzen
wollte.

Die viele Zeit habe ich aber
genutzt, um Sport zu machen, Kontakte zu knüpfen und Chinesisch zu lernen. Der
Sportplatz der Schule wurde im letzten Halbjahr renoviert und steht jetzt den
ganzen Tag lang Schülern und Lehrern zur Verfügung. Zusammen mit unserem
fußballbegeisterten Linkteacher und einigen Schülern oder anderen Lehrern habe
ich oft abends Fußball gespielt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn
es teilweise sehr chaotisch war mit viel zu vielen Spielern auf dem Platz und
keine Ahnung, wer zu welchem Team gehört. Anschließend, wenn die Schüler in den
Unterricht mussten und es schon dunkel war, habe ich mit einigen Lehrern auf
dem Rasen gesessen und versucht, etwas Chinesisch zu sprechen. Das gelingt mir
schon besser als am Anfang, aber der starke Dialekt erschwert es erheblich.

Ab dem 20. März hatten wir
dann eine Woche lang Zwischenseminar in Pu’er. Unsere Projektleiter aus
Deutschland sind gekommen und haben mit uns, sowie elf weiteren Freiwilligen
aus einem anderen Projekt in China, dem Greenway Projekt, sechs spannende
Seminartage durchgeführt. Wir haben über unsere Erfahrungen im Unterricht,
Stärken und Schwächen als Lehrer, Rassismus, chinesische Kultur und Werte,
Politik, Projekte, unsere Probleme und vieles mehr gesprochen. Außerdem haben
wir Filme geguckt, Spiele gespielt und sind zusammen Essen gegangen. Das
Seminar hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe viel daraus mitgenommen,
u.a. neue Motivation für die restlichen fünf Monate. Besonders schön fand ich,
dass die Freiwilligen vom Greenway Projekt auch bei unserem Seminar waren. Ich
fand es sehr interessant, mich mit ihnen über unsere verschiedenen Erfahrungen
auszutauschen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Provinzen Yunnan
und Guangxi zu entdecken. Ich habe einige neue Freunde unter ihnen gefunden und
hoffe, auch in Zukunft mit ihnen in Kontakt zu bleiben.

Zurück in Yongping fand dann
endlich das versprochene Meeting statt und wir haben einen Plan für die English
Corners aufgestellt. Ab April sollen nun täglich zwei Gruppen mit uns Englisch
üben. Außerdem habe ich einige Lehrer gefragt, ob ich wieder ihre Klassen
unterrichten kann und habe jetzt endlich wieder etwas zu tun.



Monatsbericht Februar

Monatsberichte Posted on Mar 04, 2017 22:56

Ein halbes Jahr ist nun schon vergangen, seit ich in China
angekommen bin – und damit die Hälfte meines Freiwilligendienstes. Ob das jetzt
viel ist oder wenig, kann ich nicht genau sagen. Ich habe zwar schon viel erlebt,
aber ich bin auch froh, dass ich noch viel Zeit habe, um noch mehr aus diesem
Jahr herauszuholen.

Diesen Monat bin ich hauptsächlich gereist und habe andere
Ecken von Yunnan erkundet. Zusammen mit fünf anderen Freiwilligen bin ich nach
Liuku, Lijiang und Shangri-La gefahren und habe dort wunderschöne Orte gesehen
und nette Menschen kennengelernt. Anfangs waren wir vier Tage lang in Liuku und
haben dort für das Slumkids-Projekt gearbeitet. Wir sind durch die Slums
gelaufen, haben geschaut, wie es den Kindern und ihren Familien geht und ob sie
irgendwelche Fragen haben. Außerdem haben wir Bob kennengelernt. Er ist sehr
lustig und hilfsbereit. An einem Abend habe ich beim Unterrichten seiner
Schüler geholfen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Lustigerweise haben wir
auch zwei ehemalige Freiwillige getroffen, die in China studieren und ihre
Ferien an ihrem alten Standort verbringen. Es war sehr interessant, sich mit
ihnen über ihre Erfahrungen zu unterhalten. Liuku gefiel mir sehr gut. Die
Stadt ist sehr schön, besonders durch den Fluss und auch die heißen Quellen und
die Pagode haben mich begeistert. Ich freue mich schon sehr, zur Summerschool wieder
nach Liuku zu fahren.


Anschließend waren wir in Lijiang. Von den drei
besuchten Orten gefiel mir Lijiang am wenigsten. Es gibt zwar viele schöne Orte
zu sehen, wie die Altstadt, einen Park mit einem Berg, auf den wir gestiegen
sind (dies war aufgrund der hohen Lage Lijiangs sehr anstrengend) und ein Dorf der
Naxi-Minderheit. Der Tourismus ist aber sehr ausgeprägt, was ich schade
finde, da die natürliche Schönheit Lijiangs dadurch irgendwie verloren geht. Die ganze Altsadt ist nur auf Tourismus ausgelegt und
voll mit Geschäften, in denen man alle möglichen Spezialitäten Yunnans und
viele Andenken und Mitbringsel kaufen kann. Abends gefiel mir die Altstadt
schon besser, da sie dann aussieht wie ein Weihnachtsmarkt. Am zweiten Abend
haben wir dort Maria und Lea getroffen und zusammen einen Milchshake getrunken.

Weiter ging es nach Shangri-La, welches an der Grenze zu
Tibet auf 4000 Metern Höhe liegt und dadurch sehr kalt ist. Die dünne Luft war
spürbar, aber als Vorsorge gegen die Höhenkrankheit haben wir erstmal einen
tibetischen Buttertee getrunken. Shangri-La hat mich wirklich begeistert. Die
Landschaft sah so anders aus mit den kahlen Bergen und weiten Steppen. Die
Stadt war recht leer abgesehen von den Einheimischen, zum Großteil Tibeter, die
mit Cowboyhüten und Pelzmützen durch die Straßen liefen. Am ersten Nachmittag
haben wir uns das Shambhala Kalachakra Mandala angeschaut, das größte 3D
Mandala der Welt, welches ein Museum über tibetische Kultur und Buddhismus
beinhaltet. Das war sehr interessant und informativ, auch wenn es keine
englischsprachige Tour gab und wir uns so nur auf Grundlage der mangelhaften
englischen Übersetzungen informieren konnten. Ein Highlight des Urlaubs war
wohl das Reiten auf Pferden durch die Steppe mit atemberaubender Aussicht auf
einen großen See und die umliegenden Berge. Faszinierend waren auch die
zahlreichen Yaks und wir haben auch Yakfleisch, Yakmilch und Yakjoghurt
probiert. Auch in Shangri-La gibt es eine Altstadt, die aber recht neu ist, da
sie vor drei Jahren größtenteils von einem Feuer zerstört wurde und danach
wieder neu aufgebaut worden ist. In dieser befindet sich auch die größte
Gebetsmühle der Welt, welche wir natürlich besucht und auch gedreht haben. Am
letzten Tag in Shangri-La sind wir mit einer Seilbahn auf einen Berg gefahren
und hatten in 4500 Metern Höhe einen wortwörtlich atemberaubenden Ausblick auf die
mit Schnee bedeckten Gebirge.

Zum Abschluss unserer Reise sind wir in die
Tigersprungschlucht gefahren, in welcher wir wandern wollten. Da wir aber alle
etwas angeschlagen waren, sind wir nicht die üblichen 7 Stunden gewandert,
sondern nur eine kleine Strecke von drei Stunden und haben die Nacht in einem
Hostel in der Schlucht verbracht, von dem aus man den Sternenhimmel beobachten
konnte, so klar, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe.

Am folgenden Tag sind wir abends zurück nach Pu’er geflogen
und ich habe noch knapp eine Woche dort verbracht, bevor ich wieder zurück nach
Yongping gefahren bin.

Insgesamt hat mir der Urlaub sehr gut gefallen und ich bin
immer wieder erstaunt wie vielseitig und wunderschön die Landschaft Yunnans
doch ist.

Zurück in Yongping erwartete mich ein ganzer Berg voller
Aufgaben, vor allem musste ich meinen Unterricht vorbereiten, da das nächste
Halbjahr vor der Tür steht. Ich bin sehr gespannt, was es für mich bereithält
und werde versuchen, jede Herausforderung anzunehmen und daran zu wachsen.



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