Es ist
vorbei. Ein Jahr lang habe ich in einem Land gelebt, das mir anfangs völlig
fremd war und inzwischen so vertraut. Ich habe so viele neue Erfahrungen
gesammelt, wie es mir in Deutschland nie möglich gewesen wäre. Daraus habe ich
mehr gelernt, als ich mir je hätte vorstellen können. Es war oft nicht leicht,
aber ich habe mich allen Herausforderungen gestellt und bin daraus gestärkt
hervorgegangen. Also bereue ich die Entscheidung, diesen Freiwilligendienst in
China gemacht zu haben? Nein. Es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Bevor ich
jetzt aber von meinem Abschied berichte und davon, was ich aus diesem Jahr
mitnehme, möchte ich noch kurz von den Erlebnissen berichten, die der letzte
Monat mit sich gebracht hat.

Anfang
August kam überraschend die Nachricht, dass die Summerschool dieses Jahr leider
nicht stattfinden kann. Das fand ich wirklich schade, da ich mich schon seit
Anfang des Freiwilligendienstes darauf gefreut hatte. Aber ändern konnte ich
daran nun mal nichts. Also musste ich spontan meine Pläne ändern und eine
Beschäftigung für die anderthalb Wochen finden. Noch mehr zu reisen kam für
mich aber nicht in Frage, da ich dafür weder genug Urlaubstage noch genug Geld
hatte. Also verbrachte ich ein paar Tage mit Lea an der Pu’er Erzhong und
danach noch ein paar Tage in Yongping, wo es allerdings ohne die ganzen Schüler
und Lehrer sehr einsam war. Ich hatte mich schon Mitte Juli von allen
verabschiedet und musste jetzt noch einen ganzen Monat in China bleiben, obwohl
es für mich eigentlich nichts mehr zu tun gab. Die Aussicht, am Ende des Monats
nochmal einige meiner Schüler wiederzusehen, freute mich aber sehr. Mitte
August bin ich dann mit Maria nach Kunming und Chengdu gereist. Kunming hat
mich nicht so überzeugt, da es nur eine weitere Großstadt war. Auf Chengdu war
ich aber sehr gespannt, da ich schon viel von dem scharfen Essen, den Pandas
und der Stadt gehört hatte. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe mich in
Chengdu von Anfang an wohlgefühlt. Während unserer Chengdu-Reise hatte ich auch
Geburtstag. An dem Tag sind wir morgens zu den Pandas gegangen und haben abends
Hotpot gegessen, mein Lieblingsessen in China.

Nach dem Urlaub bin ich zurück nach Yongping gefahren, um
meine Sachen zu packen und meine Schüler wiederzusehen. Denn meine ehemaligen
Senior 2 Schüler waren jetzt Senior 3 Schüler und hatten deshalb schon früher
wieder Unterricht. Ich habe mich also mehrmals in der Abendpause mit denjenigen
Schülern getroffen, die an meiner English Corner teilgenommen hatten. Später
bin ich auch abends in die Klassenräume gegangen und habe sogar einmal am
Englischunterricht teilgenommen. Es war das erste Mal, dass ich wirklich
außerhalb des Unterrichts Zeit mit meinen Schülern verbracht habe. Anfangs
waren sie noch etwas schüchtern, aber als ich dann angefangen habe, auf
Chinesisch mit ihnen zu sprechen, haben sie mich mit Fragen bombardiert und wir
hatten viel Spaß. Besonders ist mir aufgefallen, dass sie dadurch, dass ich
Chinesisch gesprochen habe, was ich auch nicht perfekt kann, sich selbst
getraut haben, mit mir auf Englisch zu sprechen. So kam es nicht selten vor,
dass ich eine Frage auf Chinesisch gestellt habe und sie mir auf Englisch
geantwortet haben. Das hat mich sehr gefreut. Ich wünschte, ich hätte schon
früher mehr Zeit mit meinen Schülern verbracht, da ich glaube, dass beide Seiten
daraus viel hätten lernen können. Aber wie vieles andere in meinem
Freiwilligendienst auch, hat es sich erst zum Ende hin entwickelt. Besser spät
als nie. Und wenn ich eines in diesem Jahr gelernt habe, dann ist es, dass
nicht immer alles so laufen muss, wie ich es mir wünsche, um gut zu sein.
Manchmal ist es am Ende sogar besser, weil es anders gelaufen ist. Und auch
wenn nicht, kann ich zumindest etwas daraus lernen.

Und ich lerne daraus, dass ich in Zukunft mutiger sein will,
neue Dinge auszuprobieren und auf neue Menschen zuzugehen. Denn ich glaube, ich
werde eine falsche Entscheidung weniger bereuen, als die Entscheidung, nichts
gemacht zu haben. Ich habe mir besonders im ersten Halbjahr immer gedacht, dass
ich alles noch besser machen könnte. Ich wollte besseren Unterricht geben, mehr
Chinesisch sprechen, nicht mehr so schüchtern sein. Und weil es nie perfekt
war, war ich eigentlich immer unzufrieden. Aber inzwischen weiß ich, mich mit
den Zuständen zufrieden zu geben, so wie sie sind. Und darum kann ich glücklich
auf meinen Freiwilligendienst zurückblicken, auch wenn lange nicht alles so
gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte.

Als ich mich von meinen Schülern und Freunden
verabschiedet habe, haben sie mich alle gefragt, wann ich denn nach China
zurückkommen werde. Vielleicht werden es zwei Jahre sein, vielleicht kann ich
auch erst nach meinem Studium zurückkehren. Auf jeden Fall werde ich weiterhin
Chinesisch lernen und mit so vielen Chinesen wie möglich in Kontakt bleiben. China,
und besonders Yongping, ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. Und darum
werde ich immer den Wunsch haben, nach Hause zurückzukehren.