Nun rückt das Ende des Freiwilligendienstes wirklich
spürbar näher. Denn obwohl ich noch einen Monat lang in China bin, hieß es
schon Anfang Juli für mich, mich von den Lehrern und Schülern zu verabschieden.
Aufgrund der Examen hatte ich nur noch eine Woche Unterricht im Juli. Er war
ein komisches Gefühl, das letzte Mal vor meinen Schülern im Klassenraum zu
stehen, mich zu verabschieden und zu wissen, dass ich sie wahrscheinlich nie
wieder sehen werde. Da mein Unterricht in diesem Jahr aber so unbeständig war,
habe ich nicht so eine starke Bindung zu meinen Schülern aufgebaut, wodurch der
Abschied nicht so schwer war. Es gab trotzdem einige rührende Momente, die ich
nicht so schnell vergessen werde. In der letzten Junior English Corner haben
meine Schüler das Lied „Head and Shoulders, Knees and Toes“ für mich gesungen. Das
war das erste, was ich ihnen beigebracht hatte. In meiner letzten Stunde mit
der Senior English Corner wollten mich die Schüler gar nicht gehen lassen und
haben alle zusammen zwei chinesische Lieder für mich gesungen: 朋友 (Freund) und 再见 (Auf Wiedersehen). Sie können vielleicht nicht auf
Englisch ausdrücken, wie glücklich sie sind, mich kennengelernt zu haben, aber
diese Geste sagt mehr als tausend Worte.

Ich hatte leider nicht die
Möglichkeit, mich von allen meinen Schülern zu verabschieden, da ich viele
meiner Klassen dieses Halbjahr nicht mehr unterrichtet habe. Umso dankbarer war
ich, als ein Englischlehrer mich angesprochen hat, ob meine chinesische Freundin
Tracy und ich einen Vortrag vor den Junior 1 Schülern zum Thema Wichtigkeit von
Englisch halten können. So versammelten sich an einem Abend rund 440 Schüler (ca.
die Hälfte der Junior 1 Schüler, nur die besten durften teilnehmen) und einige
Lehrer im großen Hörsaal. Tracy und ich erzählten von unseren Erfahrungen und
Ansichten über das Englischlernen, Tracy auf Chinesisch und ich auf Englisch,
wobei sie übersetzte. Am Ende konnten die Schüler Fragen stellen. Ob dieser
Vortrag nun wirklich das Interesse der Schüler fürs Englischlernen gesteigert
hat, weiß ich nicht, aber ich hoffe, dass sie nun verstehen, welche neuen
Möglichkeiten Ihnen Englisch eröffnen kann. Durch diesen Vortrag war es mir
schließlich möglich, mich von vielen meiner Schüler zu verabschieden.

In der ersten Ferienwoche bin ich mit Tracy und Sascha
(ein Mitfreiwilliger) nach Chongqing geflogen. Chongqing ist die größte Stadt
der Welt mit einer Fläche so groß wie Österreich. Die Stadt ist wirklich
beeindruckend. Unser Hostel war im 50. Stock, wodurch wir eine atemberaubende
Aussicht direkt auf den Jangtse Fluss hatten. Besonders eindrucksvoll fand ich
die Mischung aus modernen Wolkenkratzern und alten traditionellen Gebäuden. Das
Wetter war unglaublich heiß mit täglich 37 Grad Celsius im Schatten, nur leider
wenig Schatten. Unser Hostel sowie die meisten Gebäude hatten allerdings eine
Klimaanlage, was die Hitze ertragbar machte. Außerdem wurden in der Innenstadt
Fächer mit Werbung verteilt. Chongqing ist für seinen Hotpot bekannt und einen
super scharfen, heißen Hotpot bei super heißem Wetter zu essen, ist ein
Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen darf. Mit einer Chinesin zu
verreisen war eine sehr interessante und positive Erfahrung. Abgesehen davon,
dass Tracy auf Chinesisch kommunizieren kann, kannte sie auch einige Tricks,
die uns das Reisen erleichterten, wie zum Beispiel Tickets im Vorhinein im
Internet für weniger Geld zu kaufen. Umgekehrt hat Tracy aber auch von Saschas
und meiner deutschen Einstellung zum Reisen profitiert, da wir immer versucht
haben, Kosten zu vermeiden und lieber zu Fuß gegangen sind als das Taxi zu
nehmen. So konnten wir in diesem Urlaub einiges voneinander lernen.

Anschließend habe ich ein
paar Tage in Pu’er bei den anderen Freiwilligen verbracht und Lea
(Mitfreiwillige) hat mich in Yongping besucht.

Ende Juli bin ich dann noch für zwei Tage zu einer
Schülerin von mir nach Xishuangbanna gefahren. Das war eine wirklich prägende
und einmalige Erfahrung. Ich habe bei ihr zuhause gewohnt (in einer kleinen
Stadt außerhalb von Jinghong) und mit ihrer Familie gegessen, geredet und
Ausflüge gemacht. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und habe besonders die
kleine Schwester meiner Schülerin sehr ins Herz geschlossen. Sie und die
anderen Kinder in der Nachbarschaft haben mich sofort 姐姐 (große Schwester) genannt und mir alles gezeigt und
erklärt. Da in der Familie niemand Englisch sprechen konnte, haben wir auf
Chinesisch kommuniziert und ich war wirklich erstaunt, wie gut das funktioniert
hat. Besonders die Kinder haben schnell verstanden, wie sie mit mir reden müssen,
damit ich sie verstehe und wenn ich etwas doch nicht verstanden habe, waren sie
sehr geduldig und haben mir den Satz erklärt, bis ich ihn verstanden habe. Dieser
Ausflug war eine großartige Gelegenheit und ich habe nicht nur sehr viel
Chinesisch gelernt, sondern auch viel über die Dai-Minderheit aus Xishuangbanna, welche sich von den Dai
hier aus Jinggu unterscheidet, gelernt.