Der April
begann mit dem Totenfest und zwei Tagen Ferien. Bei diesem Fest gedenken die
Chinesen ihren verstorbenen Vorfahren. Dazu bereiten sie für sie ein Mahl vor
und verbrennen unechtes Geld, welches so den Toten gegeben wird. Passend zu
diesem Fest hat es tagelang in Strömen geregnet.

Durch die
zwei Tage Ferien verzögerte sich der Beginn der English Corner noch ein bisschen,
aber am Mittwoch Abend fand dann endlich zum ersten Mal die Lehrer English
Corner statt. Erstmal standen wir jedoch noch vor einer weiteren Hürde: In der
ganzen Schule schien es keinen Raum zu geben, den wir nutzen konnten, abgesehen
von dem großen Vorlesungsaal. Also fand die English Corner erstmal dort statt,
was wir aber nicht als dauerhafte Lösung ansahen, da es weder eine Tafel noch
ein Smartboard gibt und die Anordnung der Tische im Hörsaal für eine English
Corner nicht optimal ist. Von den insgesamt 25 Englischlehrern kamen ca. 10, es
war schließlich auch freiwillig. Leoline und ich unterrichteten zusammen und
begannen erstmal mit der Vorstellung jedes Einzelnen vor der Gruppe. Dies
bereitete den meisten Lehrern große Schwierigkeiten, da sie sich nicht trauten,
auf Englisch vor der Gruppe zu sprechen oder Probleme bei der Wortfindung und
Aussprache hatten. Am Ende hatte sich aber jeder mehr oder weniger ausführlich
vorgestellt und von den anderen Lehrern und uns ein kurzes Feedback zu seinem
Auftritt erhalten. Diese erste Stunde hat mir gezeigt, dass die Lehrer English
Corner an unserer Schule eine sinnvolle Idee ist. In den darauffolgenden Wochen
sind allerdings immer weniger Lehrer gekommen, letztes Mal waren es drei. Das
ist sehr schade, da die English Corner den Lehrern eine Chance gibt, Englisch
zu sprechen und ihnen so die Angst davor nimmt. Um Diskussionen voranzubringen,
müssen wir die Lehrer immer wieder ermutigen, etwas zu sagen, aber wenn sie
sich dann trauen, können dabei interessante Ideen aufkommen.

Für die
Englisch Corner der Schüler haben wir dann doch zwei Räume bekommen. Zweimal
die Woche findet eine English Corner für die Juniors statt und einmal für die
Seniors, wobei Leoline und ich gleichzeitig jeweils eine Klassenstufe
unterrichten. Bisher hat die English Corner zwei- bis dreimal stattgefunden.
Angestrebt waren Gruppen von 20 Schülern, aber auch hier sind es mit der Zeit
immer weniger geworden, sodass wir inzwischen einige Gruppen aus Schülermangel
zusammenlegen mussten. Trotzdem ist die English Corner sehr erfolgreich. Die
meisten Schüler sind motiviert und trauen sich inzwischen schon mehr als am
Anfang, vor der Gruppe zu sprechen. Die kleinen Gruppen ermöglichen es mir,
Spiele und Gruppenarbeiten durchzuführen, die in den normalen Klassen nicht
möglich sind. Daran haben die Schüler und ich viel Spaß.

Zu
Ostern habe ich in den English Corners eine kleine Osteraktion durchgeführt.
Zuerst haben die Schüler in Gruppen kleine Rätsel zu Ostern gelöst und
anschließend haben wir Topfschlagen gespielt. Mit verbundenen Augen und einem
Stäbchen in der Hand begaben sich die Schüler auf die Suche nach dem Topf und
wurden dabei von ihren Gruppenmitgliedern mit den Worten „right“, „left“, „go“
und „stop“ geführt. Als Belohnung war unter dem Topf ein von mir bemaltes,
ausgeblasenes Osterei versteckt, was bei den Schülern große Begeisterung
ausgelöst hat.

Zusätzlich
zu den English Corners habe ich mir fünf weitere Unterrichtsstunden in einigen
meiner alten Klassen organisiert. Auch diese laufen sehr erfolgreich,
besonders, da ich dieses Halbjahr deutlich mehr Zeit für die
Unterrichtsvorbereitung habe und meinen Unterricht so abwechslungsreicher und
interessanter gestalten kann. Leider fällt der Unterricht aufgrund
verschiedener Ursachen oft aus.

Das English Trainingcenter in Jinggu, eine
Privatschule, welche Grundschülern anbietet, am Wochenende dort Englisch zu
lernen, hat bei uns angefragt, ob wir Lust haben, einmal dort zu unterrichten.
Also fuhren wir vorletzten Freitag nach Jinggu und trafen uns dort mit den
beiden Englischlehrern, welche uns die Räumlichkeiten zeigten, uns einen
Stundenplan für den folgenden Tag gaben und uns zum Essen einluden. Leoline und
ich haben jeweils vier 60-Minuten-Stunden unterrichtet und mit den vier bis
zwölf jährigen Schülern ein paar Spiele gespielt, um ihr Interesse am
Englischlernen zu steigern. Grundschüler zu unterrichten war für mich eine sehr
interessante und spaßige Erfahrung.

Da
bei uns in Yongping viele Menschen der Dai-Minderheit leben, wurde hier das
Water Splash Festival, welches Mitte April stattfand, groß gefeiert. Die
Schüler hatten frei und liefen ab Freitag Nachmittag mit Wasserpistolen,
Wasserbomben und Wassereimern bewaffnet durch die Straßen und sorgten dafür,
dass niemand trocken blieb. Ich stürzte mich mit in die Wasserschlacht und war
innerhalb von wenigen Minuten klitschnass aber überglücklich. Drei Tage dauerte
dieses Fest und neben Wasserschlachten gab es traditionelle Tänze, natürlich
viel Essen und vieles mehr zu bestaunen und erleben. Leider spielte das Wetter
nicht ganz mit und so war uns in unserer nassen Kleidung recht schnell kalt.
Trotzdem war das Wochenende eines meiner Highlights hier in China und ich werde
es wohl nie vergessen.

Außerdem
haben wir an den Wochenenden interessante Ausflüge gemacht. So sind wir einmal in
die Berge zu den Teeplantagen gefahren. Es war wunderschön, weit und breit nur
grüne Teeberge zu sehen. Wir haben ein bisschen beim Teepflücken geholfen und
in einer Teefabrik gelernt, wie der Tee verarbeitet wird. An einem anderen
Wochenende sind wir wandern gegangen im Manyu Canyon, wo wir am Anfang des
Jahres schonmal waren. Es war schön, nun ein halbes Jahr später wieder dort zu
sein und die Schlucht mit dem großen Wasserfall und die vielen Bäume waren immer
noch wunderschön. Diesmal sind wir am anderen Ende losgelaufen, sodass wir
meistens bergab gegangen sind, was trotzdem noch anstrengend war, aber lange
nicht so anstrengend wie das letzte Mal. Dreieinhalb Stunden haben wir
gebraucht und waren danach klitschnass – vom Schweiß und vom Regen.