Ich bin mit sehr viel Motivation in das neue Halbjahr
gestartet, diese hat sich aber nicht lange gehalten, als mir Mauern in den Weg
gestellt wurden, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Gleich am Anfang des
Monats wurde uns gesagt, dass wir dieses Jahr den Fokus auf English Corner
legen und deshalb keinen Unterricht mehr haben. Das hat mich überrascht, aber
da die meisten Lehrer am Ende des letzten Halbjahres ihre Stunden wiederhaben
wollten, damit sie den Stoff vor den Examen schaffen, konnte ich es
nachvollziehen. Ich hatte schon länger die Idee für eine English Corner für
Lehrer, da das Englischniveau vieler Englischlehrer an unserer Schule nicht so
gut ist und die Schüler dadurch schlechtere Voraussetzungen haben, um Englisch
zu lernen. Außerdem freute ich mich darauf, in English Corners für Schüler in
kleineren Gruppen, und dadurch besseren Lernvoraussetzungen, zu üben.
Allerdings war die Organisation ein großes Problem. Das versprochene Meeting
mit allen Englischlehrern wurde immer wieder nach hinten verschoben und wir
hatten derweil nichts zu tun, außer mal als Vertretung für Englischlehrer
einzuspringen und eine Gruppe von vier Schülern auf einen bevorstehenden
Hörverstehen-Test in Englisch vorzubereiten. Diese Situation hat mich heruntergezogen,
da ich so viele neue Ideen für meinen Unterricht hatte, die ich gerne umsetzen
wollte.

Die viele Zeit habe ich aber
genutzt, um Sport zu machen, Kontakte zu knüpfen und Chinesisch zu lernen. Der
Sportplatz der Schule wurde im letzten Halbjahr renoviert und steht jetzt den
ganzen Tag lang Schülern und Lehrern zur Verfügung. Zusammen mit unserem
fußballbegeisterten Linkteacher und einigen Schülern oder anderen Lehrern habe
ich oft abends Fußball gespielt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn
es teilweise sehr chaotisch war mit viel zu vielen Spielern auf dem Platz und
keine Ahnung, wer zu welchem Team gehört. Anschließend, wenn die Schüler in den
Unterricht mussten und es schon dunkel war, habe ich mit einigen Lehrern auf
dem Rasen gesessen und versucht, etwas Chinesisch zu sprechen. Das gelingt mir
schon besser als am Anfang, aber der starke Dialekt erschwert es erheblich.

Ab dem 20. März hatten wir
dann eine Woche lang Zwischenseminar in Pu’er. Unsere Projektleiter aus
Deutschland sind gekommen und haben mit uns, sowie elf weiteren Freiwilligen
aus einem anderen Projekt in China, dem Greenway Projekt, sechs spannende
Seminartage durchgeführt. Wir haben über unsere Erfahrungen im Unterricht,
Stärken und Schwächen als Lehrer, Rassismus, chinesische Kultur und Werte,
Politik, Projekte, unsere Probleme und vieles mehr gesprochen. Außerdem haben
wir Filme geguckt, Spiele gespielt und sind zusammen Essen gegangen. Das
Seminar hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe viel daraus mitgenommen,
u.a. neue Motivation für die restlichen fünf Monate. Besonders schön fand ich,
dass die Freiwilligen vom Greenway Projekt auch bei unserem Seminar waren. Ich
fand es sehr interessant, mich mit ihnen über unsere verschiedenen Erfahrungen
auszutauschen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Provinzen Yunnan
und Guangxi zu entdecken. Ich habe einige neue Freunde unter ihnen gefunden und
hoffe, auch in Zukunft mit ihnen in Kontakt zu bleiben.

Zurück in Yongping fand dann
endlich das versprochene Meeting statt und wir haben einen Plan für die English
Corners aufgestellt. Ab April sollen nun täglich zwei Gruppen mit uns Englisch
üben. Außerdem habe ich einige Lehrer gefragt, ob ich wieder ihre Klassen
unterrichten kann und habe jetzt endlich wieder etwas zu tun.