Ein halbes Jahr ist nun schon vergangen, seit ich in China
angekommen bin – und damit die Hälfte meines Freiwilligendienstes. Ob das jetzt
viel ist oder wenig, kann ich nicht genau sagen. Ich habe zwar schon viel erlebt,
aber ich bin auch froh, dass ich noch viel Zeit habe, um noch mehr aus diesem
Jahr herauszuholen.

Diesen Monat bin ich hauptsächlich gereist und habe andere
Ecken von Yunnan erkundet. Zusammen mit fünf anderen Freiwilligen bin ich nach
Liuku, Lijiang und Shangri-La gefahren und habe dort wunderschöne Orte gesehen
und nette Menschen kennengelernt. Anfangs waren wir vier Tage lang in Liuku und
haben dort für das Slumkids-Projekt gearbeitet. Wir sind durch die Slums
gelaufen, haben geschaut, wie es den Kindern und ihren Familien geht und ob sie
irgendwelche Fragen haben. Außerdem haben wir Bob kennengelernt. Er ist sehr
lustig und hilfsbereit. An einem Abend habe ich beim Unterrichten seiner
Schüler geholfen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Lustigerweise haben wir
auch zwei ehemalige Freiwillige getroffen, die in China studieren und ihre
Ferien an ihrem alten Standort verbringen. Es war sehr interessant, sich mit
ihnen über ihre Erfahrungen zu unterhalten. Liuku gefiel mir sehr gut. Die
Stadt ist sehr schön, besonders durch den Fluss und auch die heißen Quellen und
die Pagode haben mich begeistert. Ich freue mich schon sehr, zur Summerschool wieder
nach Liuku zu fahren.


Anschließend waren wir in Lijiang. Von den drei
besuchten Orten gefiel mir Lijiang am wenigsten. Es gibt zwar viele schöne Orte
zu sehen, wie die Altstadt, einen Park mit einem Berg, auf den wir gestiegen
sind (dies war aufgrund der hohen Lage Lijiangs sehr anstrengend) und ein Dorf der
Naxi-Minderheit. Der Tourismus ist aber sehr ausgeprägt, was ich schade
finde, da die natürliche Schönheit Lijiangs dadurch irgendwie verloren geht. Die ganze Altsadt ist nur auf Tourismus ausgelegt und
voll mit Geschäften, in denen man alle möglichen Spezialitäten Yunnans und
viele Andenken und Mitbringsel kaufen kann. Abends gefiel mir die Altstadt
schon besser, da sie dann aussieht wie ein Weihnachtsmarkt. Am zweiten Abend
haben wir dort Maria und Lea getroffen und zusammen einen Milchshake getrunken.

Weiter ging es nach Shangri-La, welches an der Grenze zu
Tibet auf 4000 Metern Höhe liegt und dadurch sehr kalt ist. Die dünne Luft war
spürbar, aber als Vorsorge gegen die Höhenkrankheit haben wir erstmal einen
tibetischen Buttertee getrunken. Shangri-La hat mich wirklich begeistert. Die
Landschaft sah so anders aus mit den kahlen Bergen und weiten Steppen. Die
Stadt war recht leer abgesehen von den Einheimischen, zum Großteil Tibeter, die
mit Cowboyhüten und Pelzmützen durch die Straßen liefen. Am ersten Nachmittag
haben wir uns das Shambhala Kalachakra Mandala angeschaut, das größte 3D
Mandala der Welt, welches ein Museum über tibetische Kultur und Buddhismus
beinhaltet. Das war sehr interessant und informativ, auch wenn es keine
englischsprachige Tour gab und wir uns so nur auf Grundlage der mangelhaften
englischen Übersetzungen informieren konnten. Ein Highlight des Urlaubs war
wohl das Reiten auf Pferden durch die Steppe mit atemberaubender Aussicht auf
einen großen See und die umliegenden Berge. Faszinierend waren auch die
zahlreichen Yaks und wir haben auch Yakfleisch, Yakmilch und Yakjoghurt
probiert. Auch in Shangri-La gibt es eine Altstadt, die aber recht neu ist, da
sie vor drei Jahren größtenteils von einem Feuer zerstört wurde und danach
wieder neu aufgebaut worden ist. In dieser befindet sich auch die größte
Gebetsmühle der Welt, welche wir natürlich besucht und auch gedreht haben. Am
letzten Tag in Shangri-La sind wir mit einer Seilbahn auf einen Berg gefahren
und hatten in 4500 Metern Höhe einen wortwörtlich atemberaubenden Ausblick auf die
mit Schnee bedeckten Gebirge.

Zum Abschluss unserer Reise sind wir in die
Tigersprungschlucht gefahren, in welcher wir wandern wollten. Da wir aber alle
etwas angeschlagen waren, sind wir nicht die üblichen 7 Stunden gewandert,
sondern nur eine kleine Strecke von drei Stunden und haben die Nacht in einem
Hostel in der Schlucht verbracht, von dem aus man den Sternenhimmel beobachten
konnte, so klar, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe.

Am folgenden Tag sind wir abends zurück nach Pu’er geflogen
und ich habe noch knapp eine Woche dort verbracht, bevor ich wieder zurück nach
Yongping gefahren bin.

Insgesamt hat mir der Urlaub sehr gut gefallen und ich bin
immer wieder erstaunt wie vielseitig und wunderschön die Landschaft Yunnans
doch ist.

Zurück in Yongping erwartete mich ein ganzer Berg voller
Aufgaben, vor allem musste ich meinen Unterricht vorbereiten, da das nächste
Halbjahr vor der Tür steht. Ich bin sehr gespannt, was es für mich bereithält
und werde versuchen, jede Herausforderung anzunehmen und daran zu wachsen.