Ich hatte im Januar nur eine
Woche Unterricht (und auch in dieser nur sehr wenig), da die Schüler ab dem 8.
Januar Examen geschrieben haben und danach waren Ferien.
In der Zeit vor dem
Frühlingsfest ist es hier üblich, dass jede Familie ein Schwein schlachtet und
viele Freunde und Bekannte zum Essen einlädt. Deshalb waren wir sehr oft
eingeladen, meistens von unserem Linkteacher, und sind in Dörfer in der
Umgebung gefahren, um dort sehr viel zu essen, nicht selten den ganzen Tag
lang. Das Essen, besonders das gegrillte Schweinefleisch, war so lecker, dass
ich oft viel zu viel gegessen habe. Als Ausgleich zu dem vielen Essen haben
Leoline und ich aber einmal eine Fahrradtour mit unseren neuen Fahrrädern
gemacht. Wir sind zu einem wunderschönen Dorf gefahren, in dem wir schon öfters
zum Essen waren, und haben unsere Stadt ein wenig erkundet. Die vielen Berge
hochzufahren war allerdings sehr anstrengend und manchmal mussten wir auch
schieben.

Da die Schüler keinen
Unterricht mehr hatten und alle zum chinesischen Neujahr nach Hause gefahren
sind, waren sowohl unsere Schule als auch die ganze Stadt recht leer. Ich
konnte aber endlich zwei meiner Freunde wiedertreffen, die in Pu’er zur Schule
gehen, aber in den Ferien nach Hause nach Yongping gefahren sind. Es war schön,
sich mal mit fast Gleichaltrigen unterhalten zu können und das über viele
interessante Themen, wie den Schulalltag in China oder auch Politik. Die Englischkenntnisse
unserer Schüler reichen dazu leider nicht aus.
Zum chinesischen Neujahr sind
wir mit unserem Linkteacher in sein Heimatdorf gefahren. Dieses liegt hoch in
den Bergen, wodurch es recht abgetrennt von der Stadt ist, aber man hat einen
wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Berge. Wenn man von den Geräuschen
der vielen Hühner, Schweine, Ziegen und anderen Tieren absieht, ist es dort
sehr ruhig. Das Einkommen der Leute basiert auf dem Anbau und Verkauf von Tee. Die
Familie unseres Linkteachers ist sehr groß, da er fünf Geschwister hat, welche
alle selbst auch Familie haben. Es war sehr schön, das Frühlingsfest mit ihnen
allen zu verbringen, auch wenn fast niemand Englisch sprechen konnte. Besonders
mit dem Sohn unseres Linkteachers und seiner Cousine habe ich mich gut
verstanden. Sie ist taubstumm, aber ich konnte mit ihr besser kommunizieren als
mit den anderen Anwesenden. Ich habe in dieser Woche viel über Kommunikation
nachgedacht und gelernt. Wir konnten beide nur schwer mit Anderen
kommunizieren, da keiner von uns Chinesisch sprechen konnte. Das hat uns
verbunden und sie hat mich oft am besten verstanden, weil sie wusste, wie man Zusammenhänge
verständlich und ohne Sprache erklärt. Aufgrund der Erfahrungen mit Kommunikationsproblemen,
die ich hier in China gemacht habe, konnte ich mich gut in sie hineinversetzen.
Teile der Gebärdensprache habe ich nur durch Zusehen gelernt, später haben wir
uns zusammengesetzt und sie hat mir Gebärdensprache beigebracht. Ich habe in
ihr eine gute Freundin gefunden und hoffe, wir bleiben in Zukunft in Kontakt.

Leider habe ich von dem
Neujahr nicht so viel mitbekommen, da ich zwei Tage lang krank im Bett lag. Aber
am Neujahrsabend gab es überall Feuerwerk und man hat abwechselnd bei den
verschiedenen Familien oder Familienzweigen in diesem Dorf gegessen. Außerdem
waren wir am Fluss Fischen und haben den Fang dann zum Abendessen gegessen. Am
Montag nach dem Frühlingsfest sind wir auf einen Berg gefahren, auf dem ein
sehr großer Stein steht, und haben dort Räucherstäbchen angezündet und rings um
den Stein herum aufgestellt, wahlweise dazu gebetet. Außerdem haben wir einen hundert
Jahre alten Teebaum und eine Teefabrik angeguckt. Am letzten Abend, den wir in
dem Dorf verbracht haben, saß ich mit dem Sohn unseres Linkteachers und seiner
Cousine am Feuer und wir haben Baba gegessen. Dieses wird besonders zum chinesischen
Neujahr gegessen und schmeckt Stockbrot sehr ähnlich, ist aber aus Reis
gemacht.
Es war schön, am Neujahrsfest
teilzunehmen und die Traditionen dieses für Chinesen wichtigen Ereignisses
mitzuerleben.