Und schon wieder ist ein Monat um. Dass es jetzt Dezember wird, merkt man vor allem an dem kalten Wetter. Dieses hat mir leider eine fiese Erkältung eingebracht, die mich eine Woche lang ans Bett gefesselt hat.

Ansonsten läuft alles ganz gut. Der Unterricht funktioniert gut und in vielen Klassen habe ich viel Spaß am Unterrichten. Von meinen anfangs 21 Stunden pro Woche habe ich jetzt aber nur noch 12, da viele Lehrer mich gefragt haben, ob sie die Klassen anstelle von mir unterrichten können, weil sie sonst ihren Stoff nicht bis zu den Examen schaffen. Dadurch habe ich jetzt zwar mehr Freizeit, allerdings fallen auch einige meiner Lieblingsklassen weg…

Ein wirklich großartiger Erfolg hat sich in einer meiner 7. Klassen ereignet. In dieser Klasse ist eine Schülerin, die taubstumm ist. Als ich das anfangs herausgefunden habe, wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Sie konnte schließlich so gut wie gar nicht an meinem Unterricht teilnehmen, insbesondere, da es im spoken english Unterricht ja in erster Linie ums Sprechen und Hören geht. Als ich den Lehrer zu ihr befragt habe, meinte er nur, sie könne nicht mitmachen. Ich habe trotzdem einen Arbeitsbogen für sie angefertigt und ihr diesen in der Stunde gegeben. Der Lehrer erklärte mir aber, sie könne ihn nicht ausfüllen, da sie das Englischbuch abschreiben muss… In der nächsten Stunde hat sie ihn mir aber ausgefüllt wiedergegeben, der Lehrer hatte ihr geholfen. Also hab ich es nochmal versucht – mit Erfolg. Vor zwei Wochen hat sie mir stolz den komplett allein ausgefüllten Arbeitsbogen wiedergegeben, den ich ihr am Ende der letzten Stunde gegeben hatte – und einen neuen Arbeitsbogen in der gleichen Stunde bearbeitet. Ich werde das jetzt erstmal so weiter versuchen und dann mal schauen, ob mir nicht noch eine andere Möglichkeit einfällt, wie sie sich am Unterricht beteiligen kann.

Ein Projekt, an dem wir zurzeit arbeiten, ist ein Englischwettbewerb zwischen mehreren Schulen, der irgendwann im Dezember an der YiZhong in Jinggu stattfinden wird. Eine wirklich großartige Idee, vor allem, da wir mit Elena und Franzi in Jinggu zusammen an der Organisation und Durchführung dieses Ereignisses beteiligt sind. Leoline und Elena werden in der Jury sitzen und Franzi und ich werden die Moderation übernehmen. Wie genau dieser Wettbewerb aussehen wird, habe ich noch nicht verstanden. Die Durchführung scheint doch oft recht chaotisch. So sind wir zum Beispiel nur zufällig vorbeigelaufen, als gerade vier Gruppen von Achtklässlern einstudierte Sketche vorgeführt haben und plötzlich sollten wir entscheiden, welche Schüler bei dem Wettbewerb antreten. Inzwischen üben wir mit diesen Schülern täglich, aber ständige Änderungen, was die Texte und die teilnehmenden Schüler angeht, erschweren die Arbeit etwas. Trotzdem macht es Spaß und ich freue mich schon sehr auf den Wettbewerb.
Zwischendurch hatten wir vier Tage lang schulfrei, da die Schüler Klausuren geschrieben haben. Ich hatte trotzdem so viel zu tun, dass ich gar nicht wüsste, wie ich das alles hätte schaffen sollen, wenn wir Unterricht gehabt hätten. Wir haben die freie Zeit auch genutzt, um Yongping mal etwas zu erkunden und sind dabei in einer Moschee gelandet, in der wir erstmal zum Tee eingeladen wurden. Anschließend haben uns drei Kinder durch die Felder wieder zurück zur Schule gebracht. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

Mit James, unserem Linkteacher, verstehen wir uns immer noch sehr gut und auch mit den anderen Lehrern kommen wir gut klar, wobei wir leider selten etwas mit ihnen unternehmen. Wirklich Freunde gefunden haben wir aber noch nicht. Ich habe das Gefühl, dass das hier gar nicht so einfach ist, denn Leute in unserem Alter gibt es so gut wie keine. Wenn die Leute mit der Schule fertig sind, gehen sie in größere Städte, um zu studieren oder Geld zu verdienen, also gibt es hier nur Kinder und ältere Leute. Und die Schüler haben so viel Unterricht, dass es schwierig ist, etwas mit ihnen zu unternehmen. Wenn wir dann mal jemanden treffen, mit dem wir uns gut verstehen, stellt sich meistens heraus, dass diese Person in Pu’er an die YiZhong geht. Ich hoffe aber, dass wir in Zukunft noch Freunde finden.