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Alles rund ums Essen

Blog Posted on Dec 14, 2016 15:37

Essen spielt in China eine sehr große Rolle. So wird man immer wieder gefragt, ob man schon gegessen hat und wenn wir zur Essenszeit über die Schulhof laufen, rufen uns alle Schüler 吃饭 (chifan) zu, was „essen“ bedeutet und wörtlich übersetzt „Reis essen“ heißt. Das trifft es ziemlich gut, da man wirklich zu jeder Mahlzeit Reis isst. Natürlich nicht nur Reis, sondern dazu viel Gemüse und vor allem viel Fleisch. Zum Frühstück isst man Nudeln, aber selbst diese sind oft aus Reis gemacht. Bei uns gibt es zwei Sorten: 米线 (mixian) und 米干 (migan). Ich esse meistens 米线. Wir essen fast jeden Morgen in der gleichen Suppenküche direkt gegenüber von unserer Schule. Eine Suppe kostet 5元. Das ist weniger als ein Euro. Zu den Nudeln gibt es etwas Lauch und Fleisch und dann kann man sich seine Suppe je nach Belieben würzen mit jeder Menge Soßen, scharfen Gewürzen und eingelegtem Gemüse. Mittagessen gibt es schon um 11:40 Uhr in unserer Schulkantine, was meines Erachtens nach viel zu früh ist. Wir essen entweder in der Schulmensa, wo wir kostenlos Essen bekommen, oder kochen selbst, was den Vorteil hat, dass wir uns die Zeiten selbst aussuchen können, oder wir werden von den Lehrern zum Essen eingeladen. Abendessen gibt es in der Schule um 17:00 Uhr, was ebenfalls viel zu früh ist, aber man isst abends manchmal noch ein Barbecue, oder auf Chinesisch 烧烤 (shaokao), also wird man auf keinen Fall verhungern.
Wir werden sehr oft zum Essen eingeladen. Das ist oft sehr nett, manchmal aber recht unangenehm, wenn niemand anwesend ist, der Englisch spricht und dir die ganze Zeit Essen angedreht wird, was du eventuell gar nicht essen willst. Die Restaurants sind ganz anders als die in Deutschland. Man sitzt nicht in einem geschlossenen Raum, sondern es gibt meist viele Räume nebeneinander, die zu einer Seite hin offen sind. Oft sitzt man anfangs draußen und isst eine Vorspeise – Sonnenblumenkerne, gebratener Fisch oder anderes Fleisch.

Die Tische sind rund und sehr niedrig, die dazu gehörigen Hocker sind noch kleiner. Anfangs ist es sehr ungewohnt und ungemütlich auf solchen Hockern zu sitzen, aber man gewöhnt sich dran. Die Tische haben meist in der Mitte eine drehbare Platte, auf der die Speisen stehen, sodass man an alles herankommt, wenn man die Platte dreht. Jinggu County ist für seinen Mangosaft bekannt, weshalb wir diesen andauernd trinken und ich liebe ihn! Wo ich schon bei Getränken bin, darf natürlich der Tee nicht fehlen, denn kein Essen ohne Tee.

Wenn der Hauptgang dann endlich fertig ist (und man sich nicht schon an der Vorspeise satt gegessen hat… da muss man wirklich aufpassen) setzt man sich an einen anderen Tisch, wo viele Schüsseln mit verschiedenen Gerichten stehen. Und zwar wirklich viele – um die sechs bis sechzehn. Jeder hat eine Schüssel, die man erst aus dem Plastik auspacken muss, in dem sie nach dem Abwaschen immer wieder neu eingepackt werden, am besten, in dem man mit den Stäbchen (auch in Plastik eingepackt) ein Loch in die Verpackung sticht und die Schüssel so problemlos auspacken kann. Anschließend bekommt jeder Reis in seine Schüssel und dann kann man sich bedienen. Anfangs hat mich dieses Essen immer überfordert, da man nicht weiß, was das alles ist, was da auf dem Tisch steht, und man auch nicht weiß, wie man das dann essen kann. Mit Stäbchen essen war bei mir zum Glück kein Problem, da ich auch schon in Deutschland oft mit Stäbchen gegessen hab, aber so ein Stück Fleisch zu essen, an dem überall Knochen und Haut ist, das Fleisch aber kaum herauszupicken ist, ist wirklich eine Herausforderung. Hinzu kommen noch die freundlichen Gastgeber, die die immer wieder etwas in deine Schüssel füllen, du das aber eventuell gar nicht essen willst… Dass es aber wirklich kein Problem ist, etwas in der Schüssel übrig zu lassen, habe ich schnell gelernt.
Es gibt eine große Auswahl an Speisen, wobei einige Speisen bei fast jedem Essen zu finden sind. Abgesehen von Reis gibt es immer mindestens eine Sorte Fleisch, wobei ich von Klassikern wie Hühnerfleisch, Schweinefleisch und Rindfleisch über Ente, Gans, Esel und Ziege bis hin zu exotischeren Gerichten wie Ochsenfüßen und Bienenlarven schon viel gegessen habe. Oft gibt es eine große Schüssel mit Fleisch in einer Suppe in der Mitte des Tisches und noch weitere Fleischsorten auf kleineren Tellern drumherum. Auch die Art der Zubereitung des Fleisches variiert, so gibt es gekochtes Fleisch, gebratenes Fleisch, Trockenfleisch […]. Das Fleisch ist hier oft gar nicht so leicht zu essen, da das Huhn/Rind/Schwein oder was auch immer einfach komplett kleingehackt wird, sodass die Knochen und alles noch drin sind… Das Fleisch schmeckt oft noch so gut, aber es ist einfach unmöglich, es zu essen. Generell ist Fleisch ein interessantes Thema in China. Die Chinesen essen wirklich alles vom Tier – seien es Füße, Innereien, Augen oder einfach nur pures Fett… Sehr gewöhnungsbedürftig für uns Europäer, aber die Chinesen lieben es. Abgesehen davon, dass sie alles vom Tier essen, essen sie auch sehr viele verschiedene Tiere. So haben wir schon oft Bienen, Bienenlarven und Würmer, die in Bambus leben, serviert bekommen. Anfangs hatte ich wirklich großen Respekt vor diesen, vor allem, da uns immer wieder gesagt wurde, dass manche Leute allergisch dagegen sind, aber inzwischen esse ich besonders die Würmer sehr gerne. Sie sind gebraten wirklich knusprig, eigentlich wie Chips. Wir haben sogar schon von unserem Vize-Schulleiter noch lebende Bambus-Würmer geschenkt bekommen und diese dann zuhause gebraten – zu Halloween. Das war eine der lustigsten Aktionen, die ich hier bisher erlebt habe. Wir haben Öl in einer Pfanne erhitzt und dann die lebenden Würmer in die Pfanne geworfen. Sie wurden plötzlich ganz lang und es hat laut gebrutzelt, dann waren sie eigentlich auch schon fertig. Wie eine Lehrerin so passend beschrieb: Erst sind sie weiß, und wenn sie gelb sind, sind sie fertig. Das eklige an der ganzen Aktion war, dass die Würmer ziemlich durch die Gegend gespritzt sind, wenn man sie in die Pfanne gegeben hat. Unsere Taktik sah also so aus, dass ich ein paar Würmer in die Pfanne werfe und wir dann schnell aus der Küche rennen und die Tür schließen. Wir mussten zwar im Nachhinein unsere komplette Küche putzen, da überall Wurminnereien und Fettspritzer waren, aber die Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt und die Würmer waren mit etwas Salz sehr lecker. Und wo ich gerade beim Thema Halloween bin: In China wird zwar kein Halloween gefeiert, aber davon gehört haben doch viele schon. So haben mir zwei meiner Schülerinnen nach dem Unterricht Lollis zu Halloween geschenkt und meine Senior Klasse ist abends am Ende der Stunde gemeinsam aufgestanden und hat im Chor „Happy Halloween to you!“ gerufen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe.


So, nach diesem kleinen Exkurs geht es weiter im Thema. Eine weitere Speise, die bei fast jedem Essen zu finden ist, ist eine Suppe mit einer Art Salat, welche sehr lecker ist und vor allem überhaupt nicht scharf ist, weshalb sie einen guten Ausgleich zu dem sonst sehr scharfen Essen bildet. Außerdem gibt es häufig gekochten Salat (sehr lecker, warum kochen wir Salat in Deutschland eigentlich nicht??), gekochte Gurken in einer super leckeren Soße, Tomate mit Ei (sehr lecker und sehr einfach zu kochen, kochen wir auch oft selbst), Kartoffeln in verschiedenen Formen (gekocht oder als eine Art Kartoffelpuffer), Bambussprossen, Pilze, Brokkoli, Bohnen, Erdnüsse, Möhren, Minze und vieles mehr. Tofu gibt es auch in vielen Formen, aber bei uns tatsächlich recht selten. Ansonsten gibt es natürlich eine ganze Menge scharfe Gerichte, sei es das Fleisch oder das Gemüse, und wenn die Gerichte an sich nicht scharf genug sind, kann man sicher sicher sein, dass es noch eine scharfe Soße extra gibt, in die man sein Fleisch tunken kann. Mit vielen der schärferen Gerichte komme ich klar, wenn auch manchmal unter Tränen und laufender Nase, aber es gibt Schärfen, die kann ich nicht essen, ohne das Gefühl zu haben, keine Luft mehr zu bekommen. Da viele der Lehrer zumindest aber wissen, dass wir in Deutschland nicht so scharf essen, werden oft für uns weniger scharfe Gerichte bestellt.
Apropos scharf: Wir wurden schon des Öfteren zum Hotpot essen eingeladen. Hier gibt es eine große Schüssel mit Suppe in der Mitte, die von unten erhitzt wird. Dann werden nach und nach alle möglichen Zutaten hinzugegeben und sobald sie fertig gekocht sind, kann man sie in seine Schüssel füllen und essen. Es erinnert mich ein wenig an Fondue, nur dass man keine Spieße hat. Ich esse Hotpot sehr gerne, nur ist es meistens so scharf, dass ich nicht besonders viel essen kann oder Unmengen an Kokosnusssaft dazu trinken muss.

Weitere Speisen sind Jiaozi 饺子, was mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen sind. Wir haben diese auch schon selbst gekocht, was eine sehr schöne Erfahrung war.

Im Gegensatz zu Jiaozi, welche gekocht werden, werden die sehr ähnlich klingenden Baozi 包子 gedämpft und bestehen aus einem dickeren Teig. Es gibt sie mit vielen verschiedenen Füllungen, wie Fleisch, Gemüse und Nudeln, aber auch süßen Füllungen wie Zucker, roter Bohnenpaste etc.

Interessante Snacks in China sind Tomaten und Gurken mit Zucker (ich weiß wirklich nicht, warum sie alles scharf essen, aber das plötzlich süß) und eine unglaublich bittere Frucht, die man in ein scharfes Pulver dippt (sorgt definitiv für eine lustige Grimasse, aber wie kommt man darauf??). Die Süßigkeiten schmecken meist sehr künstlich und überall gibt es eine Art Wackelpudding zu kaufen, teilweise mit irgendwelchen Stückchen drin, der mir anfangs sehr unsympathisch war, aber man kann ihn tatsächlich essen.

Das war auch schon alles, was ich zum Essen hier in China zu sagen habe. Ich hoffe, der Text kann dir eine ungefähre Vorstellung davon geben, was ich hier so esse und wie ich so darüber denke.



Monatsbericht November

Monatsberichte Posted on Dec 14, 2016 15:01

Und schon wieder ist ein Monat um. Dass es jetzt Dezember wird, merkt man vor allem an dem kalten Wetter. Dieses hat mir leider eine fiese Erkältung eingebracht, die mich eine Woche lang ans Bett gefesselt hat.

Ansonsten läuft alles ganz gut. Der Unterricht funktioniert gut und in vielen Klassen habe ich viel Spaß am Unterrichten. Von meinen anfangs 21 Stunden pro Woche habe ich jetzt aber nur noch 12, da viele Lehrer mich gefragt haben, ob sie die Klassen anstelle von mir unterrichten können, weil sie sonst ihren Stoff nicht bis zu den Examen schaffen. Dadurch habe ich jetzt zwar mehr Freizeit, allerdings fallen auch einige meiner Lieblingsklassen weg…

Ein wirklich großartiger Erfolg hat sich in einer meiner 7. Klassen ereignet. In dieser Klasse ist eine Schülerin, die taubstumm ist. Als ich das anfangs herausgefunden habe, wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Sie konnte schließlich so gut wie gar nicht an meinem Unterricht teilnehmen, insbesondere, da es im spoken english Unterricht ja in erster Linie ums Sprechen und Hören geht. Als ich den Lehrer zu ihr befragt habe, meinte er nur, sie könne nicht mitmachen. Ich habe trotzdem einen Arbeitsbogen für sie angefertigt und ihr diesen in der Stunde gegeben. Der Lehrer erklärte mir aber, sie könne ihn nicht ausfüllen, da sie das Englischbuch abschreiben muss… In der nächsten Stunde hat sie ihn mir aber ausgefüllt wiedergegeben, der Lehrer hatte ihr geholfen. Also hab ich es nochmal versucht – mit Erfolg. Vor zwei Wochen hat sie mir stolz den komplett allein ausgefüllten Arbeitsbogen wiedergegeben, den ich ihr am Ende der letzten Stunde gegeben hatte – und einen neuen Arbeitsbogen in der gleichen Stunde bearbeitet. Ich werde das jetzt erstmal so weiter versuchen und dann mal schauen, ob mir nicht noch eine andere Möglichkeit einfällt, wie sie sich am Unterricht beteiligen kann.

Ein Projekt, an dem wir zurzeit arbeiten, ist ein Englischwettbewerb zwischen mehreren Schulen, der irgendwann im Dezember an der YiZhong in Jinggu stattfinden wird. Eine wirklich großartige Idee, vor allem, da wir mit Elena und Franzi in Jinggu zusammen an der Organisation und Durchführung dieses Ereignisses beteiligt sind. Leoline und Elena werden in der Jury sitzen und Franzi und ich werden die Moderation übernehmen. Wie genau dieser Wettbewerb aussehen wird, habe ich noch nicht verstanden. Die Durchführung scheint doch oft recht chaotisch. So sind wir zum Beispiel nur zufällig vorbeigelaufen, als gerade vier Gruppen von Achtklässlern einstudierte Sketche vorgeführt haben und plötzlich sollten wir entscheiden, welche Schüler bei dem Wettbewerb antreten. Inzwischen üben wir mit diesen Schülern täglich, aber ständige Änderungen, was die Texte und die teilnehmenden Schüler angeht, erschweren die Arbeit etwas. Trotzdem macht es Spaß und ich freue mich schon sehr auf den Wettbewerb.
Zwischendurch hatten wir vier Tage lang schulfrei, da die Schüler Klausuren geschrieben haben. Ich hatte trotzdem so viel zu tun, dass ich gar nicht wüsste, wie ich das alles hätte schaffen sollen, wenn wir Unterricht gehabt hätten. Wir haben die freie Zeit auch genutzt, um Yongping mal etwas zu erkunden und sind dabei in einer Moschee gelandet, in der wir erstmal zum Tee eingeladen wurden. Anschließend haben uns drei Kinder durch die Felder wieder zurück zur Schule gebracht. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

Mit James, unserem Linkteacher, verstehen wir uns immer noch sehr gut und auch mit den anderen Lehrern kommen wir gut klar, wobei wir leider selten etwas mit ihnen unternehmen. Wirklich Freunde gefunden haben wir aber noch nicht. Ich habe das Gefühl, dass das hier gar nicht so einfach ist, denn Leute in unserem Alter gibt es so gut wie keine. Wenn die Leute mit der Schule fertig sind, gehen sie in größere Städte, um zu studieren oder Geld zu verdienen, also gibt es hier nur Kinder und ältere Leute. Und die Schüler haben so viel Unterricht, dass es schwierig ist, etwas mit ihnen zu unternehmen. Wenn wir dann mal jemanden treffen, mit dem wir uns gut verstehen, stellt sich meistens heraus, dass diese Person in Pu’er an die YiZhong geht. Ich hoffe aber, dass wir in Zukunft noch Freunde finden.