Nun bin ich schon zwei Monate in China. Mir geht es sehr gut und ich habe mich inzwischen an das meiste ganz gut gewöhnt.

Im Unterricht komme ich ganz gut klar. In der Junior Grade 1 wusste ich anfangs nicht, wie ich den Unterricht gestalten kann, da die Schüler gerade erst anfangen, Englisch zu lernen, aber inzwischen funktioniert der Unterricht in den meisten Klassen sehr gut. Es ist immer schön, wenn ich beobachten kann, wie die Schüler von Woche zu Woche Fortschritte machen. Der Unterricht in der Senior Grade 2 ist hingegen recht anders. Die Schüler haben meist sehr schlechte Englischkenntnisse und viele Schüler haben keine große Lust auf Englischunterricht. Die Schüler in den ersten Reihen sprechen allerdings oft besser Englisch und so diskutiere ich viel mit ihnen und sie feuern ihre Mitschüler an, an die Tafel zu kommen. Da ich diese Klassen nur abends habe und die Schüler da meist nicht mehr so konzentriert sind, gehe ich diesen Unterricht locker an, spiele viele Spiele und so herrscht meist eine entspannte und lustige Atmosphäre. Manchmal weiß ich nicht, wie ich den Unterricht für die Schüler spannender gestalten kann, aber ich probiere derzeit verschiedene Spiele mit den Schülern aus. Viele meiner Klassen sind motiviert und arbeiten gut mit, aber andere Klassen sind die ganze Zeit laut, machen Unsinn und weigern sich, mitzumachen. Wie ich mit diesen Klassen am besten umgehe, habe ich noch nicht herausgefunden. Die 18 Stunden pro Woche sind von der Menge her okay, aber die Zeiten sind manchmal anstrengend, da ich immer früh morgens und spät abends Unterricht habe. Der Abendunterricht geht bis 21:40 Uhr und die Schüler sind so spät meist unkonzentriert und unruhig. Außerdem kann ich abends keine Aktivitäten machen, zum Beispiel mit den Lehrern Volleyball spielen oder tanzen gehen. Das ist sehr schade.
Unsere „Ausgangssperre“ hat sich inzwischen schon sehr gelockert. Wir konnten aushandeln, dass wir alleine rausgehen dürfen, wenn wir unseren Linkteacher vorher fragen, aber er sagt immer ja. So durfte ich letztens sogar alleine das Schulgelände verlassen. Abends sind wir dieses Wochenende sogar auch schon alleine rausgegangen und Tanzen gegangen. Wir verbringen trotzdem nicht so viel Zeit draußen, was vor allem damit zu tun hat, dass Yongping sehr klein ist und es außer Geschäften nicht viel gibt. Wir haben aber vor, in nächster Zeit die Stadt etwas genauer zu erkunden.
Ansonsten habe ich inzwischen oft sehr viel zu tun und schaffe gar nicht alles, was ich mir vornehme. Wir verbringen aber immer noch viel Zeit in der Wohnung, wobei ich in letzter Zeit manchmal abends nach dem Unterricht noch Joggen gehe oder Nachmittags mit einigen Schülern Tischtennis spiele. Ich arbeite daran, mehr Zeit mit den Leuten hier zu verbringen. Ich spiele oft Klavier und habe letztens dabei einen Schüler getroffen, der auch ein bisschen Klavier spielen kann. Vielleicht kann ich ja Klavierunterricht geben.
Mein Chinesisch wird derweil immer besser. Ich lerne täglich ein bisschen und habe kein Problem mehr damit, einkaufen zu gehen und Bus zu fahren und auch einfache (sehr einfache) Gespräche mit Chinesen funktionieren immer besser. Dadurch, dass bei uns nur sehr wenige Leute Englisch sprechen und selbst die Englischlehrer meist nur schlecht, müssen wir oft auf Chinesisch kommunizieren und haben dadurch gute Vorraussetzungen, um gut Chinesisch zu lernen, nur der örtliche Dialekt erschwert es ein wenig.

Mit Leoline verstehe ich mich immer noch sehr gut. Wir verbringen viel Zeit zusammen und haben viele gleiche Interessen und Ansichten. Wir haben zwar noch kein Projekt, aber wir sammeln fleißig Ideen und ich glaube, wir werden sehr gut ein gemeinsames Projekt durchführen können.
Leoline und ich auf einem Ausflug in die Berge