Ich bin jetzt schon einen Monat hier an der Er Zhong in Yongping, Jinggu, Pu’er, Yunnan, China. Die Zeit verging so schnell und ich habe so viele neue und schöne Erfahrungen gesammelt.


Leoline und ich leben zu zweit in einer Wohnung auf dem Schulgelände. Das Gebäude ist sehr neu, wie viele der anderen Gebäude auf dem Schulgelände auch. Der Grund dafür ist, dass es hier vor zwei Jahren ein großes Erdbeben gab und das Schulgebäude fast komplett zerstört wurde. Es wird immer noch viel gebaut auf unserem Schulgelände. Unsere Wohnung liegt im 5. Stock. Dadurch haben wir zwar viele Treppen, aber auch eine wunderschöne Aussicht auf die Berge, die die kleine Stadt Yongping umgeben. Wir haben zwei getrennte Schlafzimmer, eine Küche, in der wir oft selbst kochen, ein Badezimmer und ein großes Zimmer, das als Eingangsbereich, Esszimmer und Wohnzimmer dient. Unsere Wohnung ist noch sehr leer, da wir als Möbel nur ein paar Schulbänke haben, aber wir wollen diese im Laufe der Zeit noch einrichten. Trotzdem mag ich unsere Wohnung und ich fühle mich hier sehr wohl.

Wenn wir nicht in unserer Küche kochen, essen wir oft in der Schulmensa oder werden von Lehrern zum Essen eingeladen. Frühstücken tun wir in einer der vielen Suppenküchen direkt gegenüber von unserer Schule.

Mit Leoline verstehe ich mich sehr gut und wir haben lustigerweise viele gleiche Interessen. Unser Linkteacher heißt James und wir verstehen uns sehr gut mit ihm. Er spricht gut Englisch und ist einfach immer locker, lustig und gut drauf. Der Vize-Schulleiter heißt Mr. Tao. Er gibt sich große Mühe, Englisch zu lernen und ist eigentlich sehr nett. Er ist aber sehr besorgt um uns und will nicht, dass wir das Schulgelände alleine verlassen. Deshalb muss immer ein Lehrer mitkommen, wenn wir rauswollen. Inzwischen hat sich die Situation aber schon ein bisschen aufgelockert, sodass wir alleine zum Supermarkt gehen können.

Trotzdem verbringen wir viel Zeit in unserer Wohnung. Ich würde gerne Zeit mit den Lehrern oder den Schülern verbringen, aber die Schüler haben meist den ganzen Tag Unterricht und die Englischkenntnisse der Lehrer, selbst der Englischlehrer, reichen meist nicht aus, um ein wirkliches Gespräch zu führen, sodass es schwierig ist, etwas mit ihnen zu unternehmen.
In meiner Freizeit lerne ich oft Chinesisch, mache Sport mit Leoline oder mit den Lehrern oder spiele Klavier. Unsere Schule hat zwei Klaviere, die seit vielen Jahren nicht mehr benutzt wurden, und ich habe inzwischen sogar einen eigenen Schlüssel für den Musikraum, in dem die Klaviere stehen.

In den ersten beiden Wochen wurden wir von verschiedenen Englischlehrern mit in den Unterricht genommen und haben dort Englischunterricht gegeben. Außerdem haben wir eine Gruppe von sieben Schülern auf ein bevorstehendes Englischexamen vorbereitet. Ab der dritten Woche haben wir dann nach einem festen Stundenplan unterrichtet. Ich hatte anfangs 21 Stunden pro Woche. Inzwischen wurden aber drei Stunden gestrichen, sodass ich jetzt 18 Stunden pro Woche habe. Ich unterrichte vor allem Junior Grade 1, also 7. Klasse (14 Stunden pro Woche) und 4 Stunden pro Woche Senior Grade 2 (11. Klasse). Das Englischniveau der Schüler ist sehr mangelhaft, was den Unterricht erschwert. Besonders der Unterricht in Junior Grade 1 ist nicht einfach, da diese gerade erst das Alphabet hatten. Manchmal ist ein Englischlehrer anwesend, der übersetzen kann, aber häufig erkläre ich mit Händen und Füßen oder mit meinen paar Wörtern Chinesisch.


Am Wochenende nimmt uns James oft zu sehenswerten Orten in der Umgebung mit und so sehen wir viel von der schönen Landschaft und auch von den Dörfern der hier lebenden Dai-Minderheit.