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Die Reise ins Reich der Mitte

Blog Posted on Oct 21, 2016 14:40

Mein Abenteuer begann am 1. September, als ich mich morgens um 9 Uhr von meiner Familie am Bahnhof in Kiel verabschiedete und in den Zug nach Frankfurt stieg. In Frankfurt am Flughafen angekommen, habe ich dann alle meine 20 Mitfreiwilligen sowie unsere Projektleiter getroffen. Es gab noch ein paar gute Worte für das uns bevorstehende Jahr von Seiten unserer Projektleiter und dann waren wir auch schon bereit für den ersten Flug nach Paris. Aufgrund technischer Probleme verzögerte sich unser Abflug allerdings noch um ca. 2 Stunden, was zufolge hatte, dass unser Anschlussflug schon abgeflogen war, als wir endlich in Paris ankamen. Wir wurden in eine andere Halle geführt, wo wir Frisbey-spielend auf die nächsten Schritte gewartet haben. Schließlich wurden wir dann ins Hotel gefahren und nach einer recht kurzen Nacht, aber einem ausgiebigen französischen Frühstück, stiegen wir endlich in den Flieger nach Peking. Der Flug dauerte 10 Stunden, welche ich mit Filme gucken, Musik hören und Gesprächen mit dem Steward auf französisch verbracht habe, aber kein Auge zubekommen habe. Um 6:20 Uhr Ortszeit sind wir schließlich in Beijing gelandet (inzwischen war schon der 3. September) und mussten dann noch sechs lange Stunden am Flughafen warten, bis wir weiter nach Kunming, der Hauptstadt von Yunnan, fliegen konnten. Diese Zeit habe ich hauptsächlich mit schlafen auf dem sehr unbequemen Boden des Flughafens verbracht.

Der Flug nach Kunming war aufgrund vieler Turbulenzen ebenfalls sehr unbequem und ich war froh, als wir nach drei Stunden ankamen und nur noch einen letzten Flug vor uns hatten. Der Flug nach Pu’er hatte allerdings auch Verspätung, da wir aufgrund eines Unwetters nicht starten konnten, und so kamen wir schließlich völlig fertig abends gegen 19 Uhr in Pu’er an, wo wir von ein paar Freiwilligen der letzten Generation sowie unseren Linkteachern und Schulleitern oder Vize-Schulleitern in Empfang genommen wurden. Anstatt aber sofort ins Bett zu fallen, gab es erst noch ein Essen auf chinesische Art, was mich sehr überforderte. Wir saßen in einem kleinen Restaurant (es sah eher aus wie eine Garage) an einem runden Tisch mit einer drehbaren Platte in der Mitte auf kleinen Hockern. Jeder hatte eine Schüssel mit Reis und in der Mitte standen viele Schüsseln mit verschiedenen Gerichten, von denen sich jeder das, was er wollte, in seine eigene Schüssel füllen konnte. Andauernd wurde mir von den Chinesen Essen in meine Schüssel gefüllt und nein zu sagen, wäre unhöflich gewesen. Inzwischen weiß ich, dass es in China höflich ist, den Gästen Essen in die Schüssel zu füllen, es aber vollkommen okay ist, wenn man Essen in der Schüssel übrig lässt. Noch eine Sache, die ich damals sehr ungewohnt fand und teilweise immer noch komisch finde: Müll und Essensreste, wie z.B. Knochen, werden einfach auf den Boden geschmissen. Ich wusste nicht genau, was ich da aß, so gut wie alles war mir vollkommen fremd und manches sehr scharf. Aber ich hatte sowieso nicht so viel Hunger, sondern wollte einfach nur ins Bett. Daraus wurde aber erstmal noch nichts, denn wir hatten erst noch ein Meeting im Hotel, bei dem viele wichtige Leute viele wichtige Dinge sagten (auf Chinesisch, aber ein Übersetzer hat auf Englisch übersetzt) und wir Freiwilligen alle einzeln vorgestellt wurden. Wir mussten noch einen Vertrag unterschreiben, aber dann konnten wir endlich im Hotel schlafen.
Am nächsten Morgen haben unser Linkteacher und unser Vize-Schulleiter Leoline (meine Mitfreiwillige) und mich abgeholt und wir sind nach Yongping gefahren. Ich war so gespannt auf die Stadt und die Schule, in der wir ein Jahr lang leben und arbeiten würden. Die Aussicht während der Fahrt war atemberaubend schön. Hier gibt es so viele Berge, alle grün bewachsen mit vielen verschiedenen Bäumen und anderen Pflanzen. Das bin ich als Kind aus dem Norden ja gar nicht gewohnt. Angekommen an unserer Schule tranken wir noch einen Becher Tee mit dem Schulleiter, bevor wir endlich in unsere Wohnung geführt wurden. Auf dem Weg sind wir einigen Schülern begegnet und sie haben uns angeguckt, als seien wir Aliens. Was wir genau genommen auch sind (Englisch: alien = Ausländer). Die Leute hier haben noch nie zuvor Ausländer gesehen, weshalb wir eine große Attraktion sind. Das kann sich entweder so äußern, dass die Leute uns hinterherrufen und Fotos von uns machen oder aber, dass sie vor uns weglaufen… Diese Reaktionen sind sehr gewöhnungsbedürftig, aber das ist so manch anderes hier ja auch.

Ich habe mich hier inzwischen schon sehr gut eingelebt und bin sehr froh, mich für Baumhaus in China entschieden zu haben.

Es tut mir leid, dass ich erst jetzt berichte, aber ich hatte vorher einfach noch keine Gelegenheit dazu. Ich werde mir Mühe geben, in Zukunft öfter mal über meine Erlebnisse zu berichten. An dieser Stelle möchte ich noch kurz Werbung für meine Galerie machen. In dieser ist schon deutlich mehr passiert, als hier auf meinem Blog. Wenn du meine Galerie anschauen willst, schreib mir einfach eine Mail an info@kungfufranka.de und ich werde dich dann hinzufügen.

Soweit erstmal für heute,

viele Grüße aus dem hochsommerlichen Yongping



Monatsbericht September

Monatsberichte Posted on Oct 21, 2016 14:07

Ich bin jetzt schon einen Monat hier an der Er Zhong in Yongping, Jinggu, Pu’er, Yunnan, China. Die Zeit verging so schnell und ich habe so viele neue und schöne Erfahrungen gesammelt.


Leoline und ich leben zu zweit in einer Wohnung auf dem Schulgelände. Das Gebäude ist sehr neu, wie viele der anderen Gebäude auf dem Schulgelände auch. Der Grund dafür ist, dass es hier vor zwei Jahren ein großes Erdbeben gab und das Schulgebäude fast komplett zerstört wurde. Es wird immer noch viel gebaut auf unserem Schulgelände. Unsere Wohnung liegt im 5. Stock. Dadurch haben wir zwar viele Treppen, aber auch eine wunderschöne Aussicht auf die Berge, die die kleine Stadt Yongping umgeben. Wir haben zwei getrennte Schlafzimmer, eine Küche, in der wir oft selbst kochen, ein Badezimmer und ein großes Zimmer, das als Eingangsbereich, Esszimmer und Wohnzimmer dient. Unsere Wohnung ist noch sehr leer, da wir als Möbel nur ein paar Schulbänke haben, aber wir wollen diese im Laufe der Zeit noch einrichten. Trotzdem mag ich unsere Wohnung und ich fühle mich hier sehr wohl.

Wenn wir nicht in unserer Küche kochen, essen wir oft in der Schulmensa oder werden von Lehrern zum Essen eingeladen. Frühstücken tun wir in einer der vielen Suppenküchen direkt gegenüber von unserer Schule.

Mit Leoline verstehe ich mich sehr gut und wir haben lustigerweise viele gleiche Interessen. Unser Linkteacher heißt James und wir verstehen uns sehr gut mit ihm. Er spricht gut Englisch und ist einfach immer locker, lustig und gut drauf. Der Vize-Schulleiter heißt Mr. Tao. Er gibt sich große Mühe, Englisch zu lernen und ist eigentlich sehr nett. Er ist aber sehr besorgt um uns und will nicht, dass wir das Schulgelände alleine verlassen. Deshalb muss immer ein Lehrer mitkommen, wenn wir rauswollen. Inzwischen hat sich die Situation aber schon ein bisschen aufgelockert, sodass wir alleine zum Supermarkt gehen können.

Trotzdem verbringen wir viel Zeit in unserer Wohnung. Ich würde gerne Zeit mit den Lehrern oder den Schülern verbringen, aber die Schüler haben meist den ganzen Tag Unterricht und die Englischkenntnisse der Lehrer, selbst der Englischlehrer, reichen meist nicht aus, um ein wirkliches Gespräch zu führen, sodass es schwierig ist, etwas mit ihnen zu unternehmen.
In meiner Freizeit lerne ich oft Chinesisch, mache Sport mit Leoline oder mit den Lehrern oder spiele Klavier. Unsere Schule hat zwei Klaviere, die seit vielen Jahren nicht mehr benutzt wurden, und ich habe inzwischen sogar einen eigenen Schlüssel für den Musikraum, in dem die Klaviere stehen.

In den ersten beiden Wochen wurden wir von verschiedenen Englischlehrern mit in den Unterricht genommen und haben dort Englischunterricht gegeben. Außerdem haben wir eine Gruppe von sieben Schülern auf ein bevorstehendes Englischexamen vorbereitet. Ab der dritten Woche haben wir dann nach einem festen Stundenplan unterrichtet. Ich hatte anfangs 21 Stunden pro Woche. Inzwischen wurden aber drei Stunden gestrichen, sodass ich jetzt 18 Stunden pro Woche habe. Ich unterrichte vor allem Junior Grade 1, also 7. Klasse (14 Stunden pro Woche) und 4 Stunden pro Woche Senior Grade 2 (11. Klasse). Das Englischniveau der Schüler ist sehr mangelhaft, was den Unterricht erschwert. Besonders der Unterricht in Junior Grade 1 ist nicht einfach, da diese gerade erst das Alphabet hatten. Manchmal ist ein Englischlehrer anwesend, der übersetzen kann, aber häufig erkläre ich mit Händen und Füßen oder mit meinen paar Wörtern Chinesisch.


Am Wochenende nimmt uns James oft zu sehenswerten Orten in der Umgebung mit und so sehen wir viel von der schönen Landschaft und auch von den Dörfern der hier lebenden Dai-Minderheit.